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So kann Ihr Kind richtig fernsehen!

Wieviel Fernsehkonsum ist für ein Kind gut?

Dies sind die zehn goldenen Regeln für richtiges fernsehen

"Meine 10 goldenen Regeln zum fernsehen"

Oft kopiert - Hier ist das Original

  1. Gib Deinem Kind Gelegenheit, über seine Fernseherlebnisse zu sprechen. Sei mit der vollen Aufmerksamkeit da und lass dir erzählen, was es sieht – es erzählt gern.

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  2. Erstelle mit dem Kind gemeinsam einen Fernseh-Wochenplan mit den Fernsehsendungen, die es ansehen kann. (30 Minuten täglich sind für ein Vorschulkind genug; 60 Minuten sind schon zu viel!) Das Fernsehgerät wird erst zur Sendung eingeschaltet und dann direkt wieder ausgemacht.

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  3. Lade Freunde ein, mit denen Dein Kind gemeinsam fernsieht. Kinder sollten so wenig wie möglich allein vor dem Fernseher sitzen.

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  4. Wenn Du mit dem Kind gemeinsam vor dem Fernsehgerät sitzt, so akzeptiere, dass es sich bewegt, dazwischenspricht oder gar rumläuft; für das Kind ist das gut so.

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  5. Mute dem Kind nicht viel Neues zu; nimm die Kindersendungen zum mehrmaligen ansehen auf.

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  6. Schalte nicht gegen den Willen des Kindes das Fernsehgerät ab oder um, wenn es bei Sendungen verständnislos oder gar ängstlich reagiert. Es schaut sonst heimlich.

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  7. Ein Fernsehgerät ist kein „Statussymbol“ und kein „Dekorationsgegenstand“. Es muss nicht „allgegenwärtig“ zentral im Zimmer stehen. Bringe das Gerät hinter Schranktüren unter.

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  8. Verdeutliche Deinem Kind, dass es sich bei den Filmen nicht um Realität handelt. Zeige ihm auf, wie die Effekte entstehen und in welch unterschiedliche Rollen die Schauspieler schlüpfen.

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  9. Benutze Fernsehsendungen nicht als Belohnung und Fernsehentzug nicht als Bestrafung.

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  10. Vordem Fernseher wird nicht genascht.

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Regel 1: 

Gib dem Kind Gelegenheit, über seine Fernseherlebnisse zu sprechen!

Ein zuhörbereiter Erwachsener soll bei Kindern im Vorschulalter und Grundschulalter immer in der Nähe sein, wenn das Kind fernsieht; der Erwachsene muss die Sendung aber nicht mit ansehen!

Wichtig ist, dass dieser "Zuhörer" ansprechbar ist, wenn das Kind etwas zur Sendung sagen möchte. Kinder, müssen die Möglichkeit haben, unmittelbar über das zu sprechen, was sie gerade im Fernsehen gesehen haben. Kinder, die keine Gelegenheit haben, über ihre "Fernseherlebnisse" zu sprechen oder denen die Lust dazu vergrault wird, gönnen sich keine Fernsehpause. Sie versuchen die Eindrücke durch weiteres Fernsehen zu verarbeiten oder zu verdrängen – so entstehen "Vielseher".

Wenn eine Sendung zu Ende ist, so signalisieren Sie, dass Sie Zeit haben, zuzuhören, indem Sie sich dem Kind zuwenden und mit Ihrer Aufmerksamkeit bei ihm sind:

"Der Film ist schon zu Ende? / Hat dir die Sendung gefallen?"

 

Geben Sie nur solche kurzen Hinweise, die zeigen, dass Sie interessiert sind. Fragen Sie das Kind nicht aus! Es genügt, wenn Sie das Kind selbst erzählen lassen – hören Sie zu und versuchen Sie zu verstehen, was es mitteilen möchte. Nehmen Sie seine Gefühlsregungen wie Ängste, Freude, Bewunderung, Mitgefühl ernst:

"Das war aber spannend. / So stark möchtest du auch mal sein. / Das fandest du doof, wie der sich verhalten hat. / Du hast ja richtig mitgebangt."

 

Werten Sie seine Lieblingsfernsehsendungen nicht mit Bemerkungen ab wie: "Ach so ein Mist!" oder "Kannst du nicht mal etwas anderes schauen?". Wenn Sie so abfällig reden, spürt Ihr Kind, dass es Wünsche hat, die von Ihnen nicht ernst genommen und nicht verstanden werden. Es verliert die Lust, Ihnen etwas zu erzählen, und zieht sich zurück – zumeist wieder vor das Fernsehgerät. Lassen Sie sich erzählen, warum es Sendungen bevorzugt und versuchen Sie seine Gefühle zu verstehen, statt zu verurteilen:

"Das gefällt dir, dass der vor nichts und vor niemanden Angst hat!"

 

Kinder sehen gerne Fernsehfilme mit unrealistischen Comicfiguren, die mit übernatürlichen Kräften und außergewöhnlichen Fähigkeiten überraschen. Das liegt einerseits daran, dass diese Wesen schön bunt und oftmals besonders lustig sind. Aber vor allen Dingen träumt jedes Kind davon, die Gesetze der Natur überwinden zu können – es hat, wie Psychologen das nennen, ganz natürliche "Allmachtsphantasien".

Die Comic-Helden sind zumeist allmächtig, das macht ihren Erfolg aus. Mit ihnen identifiziert sich Ihr Kind gern. Schon zur Zeit, als diese Helden vor allem in der Form von Comicheftchen konsumiert wurden, versuchten besorgte Pädagogen nachzuweisen, dass sie keine guten Vorbilder seien und gar schädlich für die kindliche Entwicklung. Dieser Nachweis ist nie gelungen. So brauchen Sie sich also bezüglich dieser Vorlieben Ihres Kleinen keine Sorgen machen. Verstehen ist auch hier besser als verbieten:

"Du träumst davon, auch so stark zu sein? / Der kann ja fliegen und durch Wände gehen und sich unsichtbar machen – wenn wir das auch könnten, oh, was würden wir alles machen?"

Regel 2:

Erstelle mit dem Kind einen Fernsehplan für die ganze Woche!

Überlegen Sie am besten schon am Wochenende, welche Sendungen in der kommenden Woche angesehen werden:

"Wir machen einen Fernsehplan für die ganze Woche und streichen in der Fernsehzeitung die Sendungen mit dem Textmarker an, die du dir zum ansehen ausgewählt hast."

 

Beteiligen Sie das Kind bei der Aufstellung des Fernsehkonsum-Wochenplanes. Lassen Sie es mit in die Fernsehzeitung schauen und, sobald es lesen kann, auch selbst die „Regie“ der Planung übernehmen. Seien Sie innerhalb des vorgegebenen Rahmens (Dauer und Altersgerechtheit) großzügig bei der Berücksichtigung seiner Wünsche:

"Was sind deine Vorschläge für die nächste Woche? / Was steht dazu beschrieben?"

 

Klar geregelt sollte sein, dass Verpflichtungen wie die Schulaufgaben oder die Aufgaben, die in der Familie verteilt wurden, erledigt sind, bevor das Fernsehgerät angeschaltet wird:

"Das ist selbstverständlich, dass die Aufgaben vorher erledigt werden! Darüber diskutiere ich nicht!"

 

Wenn die Sendung zu Ende ist, wird der Apparat ausgeschaltet. Lassen Sie jedoch zu, dass auch die Werbespots, die das Programm einrahmen, mit eingeplant werden.

Kinder sehen die Werbefilmchen gern. Untersuchungen zeigen, dass für Kinder Fernsehwerbung nicht so schädlich ist, wie behauptet. Wenn Sie Ihr Kind zu einem kritischen Konsumenten erziehen, sich selbst nicht von der Werbung "ködern" lassen und Sie z. B. beim gemeinsamen Einkauf zeigen, wie man Preise und Qualität kritisch vergleicht, brauchen Sie nicht zu befürchten, dass die Werbung Ihr Kind zu unreflektiertem Konsum erzieht:

"Sieh mal, dieses kostet nur die Hälfte von dem; wir probieren mal, ob der hohe Preis wirklich gerechtfertigt ist oder wir damit nur die teure Fernsehwerbung bezahlen."

 

Bei der Aufstellung des Fernsehplanes beachten Sie dies

• Zwischen dem Fernsehen und dem Schlafengehen muss eine Pause von ca. einer Stunde liegen, in der das Gesehene verarbeitet wird.

• Der Streit zwischen Geschwistern um das Fernsehprogramm wird durch den frühzeitig gemeinsam aufgestellten Plan erheblich reduziert. Diese Lösung ist weitaus sinnvoller und verantwortlicher, als die, jedem Kind sein eigenes Gerät im Kinderzimmer zuzubilligen.

• Machen Sie in der Familie frühzeitig und grundsätzlich deutlich, dass unterschiedliche Fernsehsendungen für unterschiedliche Altersstufen geeignet sind. Manche Programmzeitschriften versehen Sendungen mit Altersangaben. Eine ausführliche Programmübersicht für Kinder bietet flimmo.de, die Website der Bayerische Landeszentrale für neue Medien. Beschränken Sie den Fernsehkonsum Ihres Kindes auf Sendungen, die speziell für seine Altersstufe hergestellt sind. Glauben Sie nicht, dass Sie dem Kind einen Gefallen tun, wenn Sie es Filme, die seinem Alter nicht entsprechen, in den Fernsehplan aufnehmen.

• Wenn mehrere Kinder unterschiedlichen Alters in der Familie sind, so wird nicht ganz auszuschließen sein, dass auch die jüngeren Sendungen mit anschauen, die nicht für sie geeignet sind. Seien Sie dann in der Einteilung nicht zu rigoros; durch strikte Verbote erreichen Sie nur, dass die Neugier noch größer wird.

• Sprechen Sie mit den älteren Geschwistern darüber, dass sie die Kleinen nicht verleiten sollen, und haben Sie ein offenes Ohr, sodass Ihr Kind Ihnen alles sagen kann und mit Ihnen insbesondere über die Sendungen spricht, die es überfordern und irritieren.

• Fernsehen ist ja nicht grundsätzlich abzulehnen. Es kann Kinder positiv unterhalten, bilden und dabei gestresste Eltern entlasten. Beachten Sie aber, dass Sie nicht in die "Fernsehfalle" geraten. Kinder müssen in erster Linie aktiv und kreativ tätig sein. Achten Sie darauf, dass solche praktischen Betätigungen (spielen, basteln, toben) weitaus mehr Zeit im Tagesablauf Ihres Kindes einnehmen als der Fernsehkonsum.

• Der „Konsum“ und die „Aktivität“ lassen sich auch verbinden: Zu vielen bekannten Kindersendungen gibt es Spiele, Bastelmaterial und Malvorlagenl – damit kann der jeweiligen Sendung eine kreative Phase folgen. Auch ohne vorgefertigtes Material lassen sich Kinder anregen, zu Sendungen zu malen, zu basteln und zu spielen - geben Sie die nötigen Impulse.

Zu nahezu jeder Kindersendung finden Sie im Netz Bastelvorlagen und Ausmalbilder, die Sie ausdrucken können. Gehen Sie dazu z.B. bei google in die Bildersuche - Sie finden zahlreiche schöne Vorlagen wie zum Beispiel für "Der kleine Tiger Daniel" oder "Calimero" oder "SpongeBob Schwammkopf".

Sie müssen, wie oben erwähnt, nicht dabeisitzen, wenn Ihr Kind fernsieht, gern dürfen Sie sich anders beschäftigen - doch für solche ausgleichenden kreativen Aktivitäten müssen Sie sorgen und zuhörbereit müssen Sie sein. Bedenken Sie dies schon beim gemeinsamen Erstellen des Fernsehplanes für die Kleinen.

 

Wie lange darf das Kind am Tag fernsehen / Tabelle

Beachten Sie beim Erstellen des Fernsehplanes, wie lange die Sendungen jeweils dauern. Bei der Gesamtzeit, die Ihr Kind täglich fernsehen darf, orientieren Sie sich an den Empfehlungen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Hier ist zur Orientierung die Tabelle / empfohlener Fernsehkonsum:

Alter Empfohlene Fernsehzeit
0-2 Jahre maximal 20 Minuten
3-5 Jahre maximal 30 Minuten
6-9 Jahre maximal 60 Minuten
10-13 Jahre maximal 90 Minuten

Wir von elternfluestrerer.de sind alldings der Meinung, dass Kinder bis zum zweiten Lebensjahr gar nicht fernsehen sollten. Die in der Tabelle angegebenen 20 Minuten für Kinder unter zwei Jahren sind zu viel!

Natürlich schalten Sie eine Sendung nicht mittendrin aus, weil die Höchstdauer der emfpfohlenenFernsehzeit erreicht ist. Handhaben Sie die Angaben flexibel: Es darf auch mal mehr sein!

Regel 3:

Ladet Freunde ein - bildet "Sehgemeinschaften"!

Gut ist, wenn ein Kind nicht allein schaut. Mit Geschwistern und im Freundeskreis macht Fernsehen nicht nur mehr Spaß, sondern durch das gemeinsame Erlebnis werden Spannungen besser abgebaut:

"Was hältst du davon, dass wir für Samstag einen Videonachmittag organisieren? / Wollen wir für Dienstag Inga zur gemeinsamen Fernsehstunde einladen?"

  

Regel 4:

Lass das Kind vor dem Fernsehgerät unaufmerksam sein!

Sehen Erwachsene mit Kindern gemeinsam fern, so müssen die Großen berücksichtigen, dass Kinder andere Sehgewohnheiten haben. Innere Abläufe werden bei Kindern in äußere Aktionen umgesetzt. Für die direkte Verarbeitung der Eindrücke ist es daher wichtig, dass Kinder sich während des Fernsehens bewegen, sprechen und Geräusche machen dürfen!

Es ist auch gut, dass ein Kind sich nur soviel zumutet, wie es vertragen kann. Lassen Sie es also "unaufmerksam" sein. Aufmerksamkeit und Rücksicht vor dem Ruhebedürfnis anderer lernt es nicht vor dem Fernsehgerät. „Still sitzen, Mund halten“ sollten Sie hier nicht von dem Kind fordern.

Stillsitzen vor dem Fernsehgerät ist auch aus medizinischen Gründen nicht die ideale Haltung für Kinder. Es kann zu körperlichen Reaktionen wie Kopfscherzen und Verspannungen führen; und dauerhaftes tägliches sitzen vor dem Gerät führt auch zu körperlichen Entwicklungsschäden wie "Sitzbuckel" und schwachen Muskeln. Eine gute Körperhaltung ist, wenn das Kind in etwa drei Metern Entfernung vor dem Gerät liegt – mit einem festen Kissen unter der Brust.

Regel 5:

Sorge für Fernseh-Wiederholungen!

Kinder brauchen Wiederholungen und Rituale. Es ist doch entspannend, zu bestimmten Zeiten und Anlässen immer wieder und wieder den gleichen Film zu sehen. Zeichnen Sie dazu Sendungen auf. Bekannte Sendungen, die schon mehrfach gesehen wurden und über die man schon gesprochen hat, können auch die Kleinen allein ansehen. Und Sie brauchen kein schlechtes Gefühl haben, wenn Sie das Fernsehgerät dann auch mal als „Kindermädchen“ einsetzen.

Regel 6:

Schalte nicht gegen den Willen des Kindes ab oder um!

Wenn Sie entdecken, dass das Kind bei einer Sendung ängstlich reagiert, so schalten Sie das Gerät nicht plötzlich gegen seinen Willen ab. Das bewirkt Neugier und heimliches Sehen. Das Kind wird seine Gefühle demnächst vor Ihnen verstecken, weil es fürchtet, dass Sie meckern oder abschalten. Seien Sie in solchen Situationen lieber nah bei ihm, geben Sie ihm Schutz, fragen Sie, ob Sie ausschalten sollen:

"Sollen wir das ausschalten? Nicht? Soll ich mich denn zu dir setzen?"

Regel 7:

Stelle das Fernsehgerät in einen Schrank!

In vielen Familien nimmt die Glotze einen zu großen Stellenwert ein. Sie steht "allgegenwärtig" als wichtigstes Stück im Wohnzimmer. Im Fernseh-Schrank* mit einer Tür davor, ist das Gerät viel besser untergebracht. Aus Amerika kommt die echt blöde Sitte, das Gerät den ganzen Tag nicht auszuschalten. Wenn Sie Ihre Verantwortung für Ihr Kind wirklich wahrnehmen, so schalten Sie das Fernsehgerät nur zu den vorgenommenen Sendungen ein!

* P.S.: Diese Empfehlung, den Fernseher im Schrank zu verstecken, ist ein paar Jahre alt und stammt noch aus der Zeit, als Fernsehgeräte klein waren und in den Schrank passten. Die großen Flachbildgeräte hängen heutzutage üblicherweise an der Wand - achten Sie dennoch darauf, dass das Gerät nicht !Mittelpunkt des Wohnzimmers" ist wird und nur zu ausgewählten Sendungen eingeschaltet wird!

Regel 8:

Zeige deinem Kind auf, dass es sich nicht um Realität handelt!

Machen Sie Ihrem Kind immer wieder deutlich, dass es sich bei Filmen nicht um Realität handelt. Erklären Sie, wie Film-Effekte inszeniert werden und in welche verschiedenen Rollen bestimmte Schauspieler schlüpfen. Auf Film DVDs befindet sich oftmals sogenanntes Bonusmaterial, das zeigt, wie die Effekte entstanden sind. Schauen Sie auch das mit Ihrem Kind an:

"Es ist interessant, mit welchen Tricks man es geschafft hat, dass der kleine Käfer wie ein wirkliches Ungeheuer aussieht. Das können wir mit unserer Videokamera (unserem Fotoapparat) auch mal versuchen."

Regel 9:

Benutze Fernsehen nicht zum Zweck der Belohnung oder Bestrafung!

Belohnung und Bestrafung sind etwas emotional sehr Bedeutendes und Prägendes im Leben des Kindes. Belohnungen hat man immer wieder gern und was entzogen wird, will man hinterher umso mehr. Wenn Sie Sendungen als Belohnung oder Fernsehentzug als Bestrafung einsetzen, geben Sie dem Gerät viel zu viel Gewicht im Gefühlsleben Ihres Kindes. Wenn Sie Ihr Kind belohnen möchten, so nicht mit Fernsehsendungen! Wenn Sie es bestrafen möchten, so nicht mit Fernsehentzug! Machen Sie die Glotze nicht so wichtig!

Regel 10:

Beim Fernsehen wird nicht genascht!

Zu viele Kinder leiden schon unter Übergewicht. Doch das ist nicht der erste Grund, warum beim Fernsehen nicht genascht werden sollte. Der Magen und der Verdauungstrakt sind beim Kind ein sehr sensibler Bereich. Essen sollte es in eigens dafür gestalteten Situationen – nicht zwischendurch, nicht in Hektik, nicht um die Angst oder Spannung zu bewältigen.

Essen vor dem Gerät macht vielleicht dick, aber es macht auch schwach und unterstützt eine spätere "Suchtanfälligkeit". Mineralwasser und Salzstangen – das ist vor dem Gerät in Ordnung. Die Eltern sollten natürlich mit gutem Beispiel voran gehen.

Und wenn die Regeln nicht helfen?

Notfallregeln für fernsehsüchtige Kinder und Eltern

Wenn Sie selbst mit diesen 10 Goldenen Fernseh-Regeln die Fernsehsucht nicht in den Griff bekommen? Hier sind noch einige "radikale" Methoden, die sich aber bewährt haben. Praktizieren Sie sie für einige Zeit:

• Legen Sie einen Fernsehfreien Tag pro Woche ein

• Packen Sie den Fernseher in einen Karton, und deponieren sie den im Keller, auf dem Dachboden oder im Abstellraum. Holen Sie das Gerät nur zu bestimmten, eingeplanten Sendungen hervor.

P.S.: Unsere Empfehlung, das Gerät wegzupacken, stammt noch aus der Zeit, als Fernseher klein und transportabel waren - das geht jetzt nicht mehr so. Wir haben den Tipp hier dennoch belassen, als Anregung, dem Fernsehgerät weniger Bedeutung zu geben. Lassen Sie sich etwas einfallen! Hängen Sie z.B. das Geärt nicht in die Mitte des Wohnzimmers, lassen Sie es nicht ständig laufen, kaufen Sie nicht immer das neueste und größte Gerät - geben Sie dem Fernsehgerät also weniger Gewicht in Ihrem gemeinsamen Leben.

• Nehmen Sie Fernsehsendungen auf und schauen Sie nur Aufgezeichnetes nach Plan.

Reden Sie sich nicht ein, dass Fernsehen würde Ihre Kinder bilden!

Es gibt mittlerweile sehr sichere Erkenntnisse darüber, welchen Beitrag das Fernsehen für die Bildung und die geistige sowie soziale Entwicklung von Kindern leisten kann: Wenn ein Kind bereits mit einem Gegenstand, einer Person oder einem Tier Erfahrungen in der realen Wirklichkeit gemacht hat, kann es durch eine Fernsehsendung etwas dazu lernen.

Fernsehsendungen ersetzen also nicht die persönlichen Erfahrungen, aber sie ergänzen, und vertiefen sie. Ein Film ersetzt z.B. nicht den Besuch eines Zoos; hat ein Kind allerdings die Tiere schon gesehen, so kann es durch einen Film weitere Informationen darüber aufnehmen. Ein Kind muss also in erster Linie spielen, malen, toben, bauen, basteln und sich immer wieder sprachlich verständigen. 

Ein Kind muss die reale Welt erleben und erforschen. Ist das gewährleistet, dann kann das Fernsehen für seine geistige Entwicklung eine Bereicherung sein. Ebenso verhält es sich bezüglich der sozialen Verhaltensweisen: Das Kind lernt sie im direkten Umgang mit Menschen – das Fernsehen verstärkt die so erworbenen Einstellungen und Verhaltensweisen lediglich. Fernsehsendungen können also eine sinnvolle Ergänzung und Hilfe zur Erziehung sein, sie können diese aber natürlich nicht ersetzen.

 

© Der obige Artikel erschien erstmals im Buch "Kleiner Schatz, ich sag dir was", Frank Maibaum, J. F. Steinkopf Verlag, Kiel 2003. Alle Rechte beim Autor.