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Krieg &Terror & Gewalt

Wenn in den Medien über Katastrophen, Krieg, Seuchen berichtet wird - wenn in den Medien Fernsehen Bilder von Gewalt, Terror und Tod zu sehen sind, soll unser Kind das hören und sehen? / Wie erklären wir es unserem Kind?

Kinder fragen nach Terror und Gewalt

Sprechen Sie über Ihre Betroffenheit!

Keine einfache "Schwarz-Weiß-Malerei"!

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Kinder fragen nach dem Grund für Terror, Gewalt, Krieg und Verbrechen

Wenn Nachrichten und Bilder von Katastrophen und Terroranschlägen, von Krieg und Gewalt die Welt erschüttern, dann geht das auch an unseren Kindern nicht vorbei. Sie fragen dann besorgt: "Kann das auch bei uns passieren?" / "Warum gibt es so böse Menschen?" / "Warum lässt Gott das zu?"

Informieren Sie Ihr Kind über die Ereignisse auf der Welt mit Ihren eigenen Worten!

Die täglichen Nachrichtensendungen im Fernsehen sind keine Kindersendungen. Sie sollten nicht auf dem Fernsehplan Ihres Kindes stehen. Doch Ihr Kind lebt nicht in einer isolierten, heilen Welt. Informieren Sie es mit Ihren Worten über aktuelle beeindruckende und bedrückende Geschehnisse, denn es schnappt ansonsten Worte auf und fühlt Stimmungen, die es nicht oder nur falsch deuten kann.

"Alle reden davon. Da hat ein junger Mann in einer Schule wild um sich geschossen, mit einem Gewehr. Er hat viele Lehrer und einige Schüler getötet. Das macht alle Menschen sehr betroffen. Wir können nicht verstehen, warum jemand so etwas macht. Wir haben Mitleid mit den Menschen, die getötet wurden, und mit den Freunden und Verwandten."

Ihr Kind wird immer wieder mal dazu kommen, wenn Bilder schrecklicher Ereignisse über den Bildschirm laufen. Und gerade bei aufsehenerregenden Geschehnissen stellt man ja schnell - auch während des Tages im Beisein der Kinder - das Gerät an, um sich aktuell informieren zu lassen. Ihr Kind spürt, dass etwas Besonderes passiert ist, und wird auch neugierig. Schließen Sie das Kind nicht zwanghaft von den Nachrichten aus. Gerade jetzt sind Sätze wie: Sei still! Stör nicht! Merkst du denn nicht, dass ich das sehen will! Das ist nichts für dich, geh spielen! Geh, mach die Tür zu! völlig daneben. Gerade jetzt, wenn Sie betroffen sind und das Kind das spürt, ist Nähe wichtig:

"Setze dich zu mir, da ist etwas Schreckliches geschehen. / Das versteh ich selbst noch nicht; lass es uns erst ansehen, dann kann ich dir etwas dazu sagen. / Im Augenblick kann ich dir nicht helfen. Ich möchte das jetzt sehen; warte einen Augenblick oder komm auf meinen Schoß."

Dramatisieren Sie nicht, aber sprechen Sie über Ihre Betroffenheit!

Bedenken Sie, dass Kinder Informationen ganzheitlich aufnehmen. Nicht nur der reine Tatbestand, sondern die Stimmung, die in Worten, in der Gestik und Mimik ausgedrückt wird, beeindruckt sie. Besonders Ihre Reaktionen sind entscheidend, weil Sie ihm nahe stehen und es gefühlsmäßig mit Ihnen verbunden ist.

Wenn Sie persönlich direkt betroffen sind, drückt sich Ihr Schmerz natürlich in besonders starkem Maße aus, das ist gut so, da müssen Sie keine Rücksicht nehmen. Ansonsten versuchen Sie sachlich zu sein. Vermeiden Sie entsetzte Aufschreie, Gesichtszüge und Gesten, die Ihr Kind beängstigen; aber sprechen Sie Ihre Betroffenheit aus:

"Das macht mich traurig. / Das erschreckt mich. / Da sieht man, wie hilflos wir Menschen oft sind."

Gestehen Sie Ihre Hilflosigkeit ein!

Sie müssen keine Antwort haben auf Fragen wie: Warum geschieht das? Warum lässt Gott das zu? Warum sind Menschen so? Warum gibt es solche Katastrophen? Warum gibt es Leid und Tod? Warum geschieht das gerade bei uns? Wir Menschen dürfen Antworten schuldig bleiben, denn sehr vieles verstehen wir eben nicht. Sagen Sie das:

"Mein Schatz, viele kluge Menschen überlegen seit vielen tausend Jahren, warum es Not, Krankheiten, Katastrophen und alles Böse gibt. Doch keiner weiß bisher eine Antwort. Wichtig ist, dass wir zusammenhalten und uns immer für das Gute einsetzen."

Wenn Ihr religiöses Empfinden es zulässt, so geben Sie religiöse Erklärungen:

"Auf manche Fragen weiß nur Gott eine Antwort. Wir Menschen sind nur ein ganz kleiner Teil dieser großen Welt; da verstehen wir nicht alles, so sehr wir uns auch anstrengen und nachdenken. Und wir Menschen sind so hilflos, dass wir immer wieder Fehler machen. Wir können nur versuchen, sie zu vermeiden. Gott will uns dabei helfen."

Kinder fragen auch, warum Gott das zulässt, warum er nichts gegen das Böse tut. Auch auf diese Frage dürfen wir gerne sagen, dass wir es nicht wissen. Wir können versuchen Worte zu finden:

"Gott lässt uns Menschen sehr viel Freiheit, weil er uns liebt. Wenn man jemanden liebt, dann zwingt man ihn nicht. Darum zwingt Gott uns nicht zu gutem Verhalten; er möchte, dass wir es selbst erkennen. Und so machen wir Menschen dann sehr viele Fehler. Gott hat sicherlich überlegt, ob es gut ist, dass wir Menschen so viel Freiheit haben und so viele Fehler machen. Er hat dann versucht, uns ein Vorbild zu geben; er hat Jesus auf diese Welt geschickt und gesagt: Seht, von ihm könnt ihr lernen, wie die Welt gut werden kann. Aber wir schaffen es noch nicht. Immer wieder gibt es Hass, Neid, Gewalt. Wir können nur versuchen, es besser zu machen. Gott will uns dabei helfen."

Dann müssen Sie dem Kind ganz nah sein!

Wenn ein Kind etwas bedrückt, dürfen wir ohne Antwort sein - aber nicht ohne Anteilnahme. Dann müssen wir ganz nah sein:

"Ich verstehe, dass du traurig bist, ich bin bei dir. Komm, lass dich drücken."

Wenn es Ihnen möglich ist, dann beten Sie mit dem Kind. Wir Erwachsenen haben es uns zumeist angewöhnt, ohne Gott zu leben. Doch für ein Kind ist das schwer; denn gerade dann, wenn auch Erwachsene und gar die Eltern ratlos sind, muss es wissen, dass da doch noch jemand ist, dem man vertrauen kann und an den sich auch die Eltern wenden können. Das ist die Basis für Hoffnung:

"Großer Gott, wir sind ganz traurig und hilflos. Ein Kind wurde getötet. Wir fragen warum und finden keine Antwort. Wir wissen nicht, was wir sagen sollen. Wir denken an die Eltern, die nun so verzweifelt sind. Auch sie fragen sicherlich „Warum?“ und finden bestimmt auch keine Antworten. Bitte, sei du mit deiner Liebe bei ihnen. Begleite sie und uns in dieser Nacht. Amen."

Wie erklären Sie Gut und Böse?
Bitte keine einfache Schwarz-Weiß-Malerei!

Mord, Missbrauch, Terror, Krieg, Amoklauf - sind Menschen die Urheber des Bösen, so beschimpfen und verurteilen Sie nicht nur; denn dadurch entwickelt sich beim Kind ein Gegensatz von gut und böse: Wir sind die Guten, und auf der anderen Seite gibt es da die Bösen, die man verurteilen und wegschließen muss. Solche Schwarz-Weiß-Malerei kann nur zu Hass und Angst führen, die ein Kind nicht bewältigt.

Seien Sie sachlich und versuchen Sie, Zusammenhänge gemeinsam zu verstehen. Überlegen Sie in der Familie und im Freundeskreis, welche Motive die Täter bewegt haben und warum sie so aggressiv und hilflos sind. Lassen Sie Ihr Kind bei diesen Gesprächen dabei sein und beziehen Sie es auch aktiv ein:

"Ich frage mich, was bringt einen Jungen dazu, so zuzuschlagen. / Woher kommt der Hass, dass sie immer nur kämpfen. / Warum wollen sie den Anderen vernichten?"

© Dieser Artikel erschien erstmals im Buch "Kleiner Schatz, ich sag dir was", Frank Maibaum, J. F. Steinkopf Verlag, Kiel 2003. Alle Rechte beim Autor.

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