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Nachwuchs kommt - wie sollen wir uns verhalten?

Bei uns hat sich Nachwuchs angekündigt. Wie kommt unser "Großes" damit klar?

Die Nöte groper Geschwister!
Lassen Sie Vorfreude aufkommen!
Zeit wird mit Geschwisterchen geteilt!
Die Liebe wird für beide mehr!

Das große Geschwister kommt in seelische Nöte!

Wenn sich ein Geschwisterchen ankündigt, ist das für das bisher einzige Kind besonders schwer zu verarbeiten. Es hat lange Zeit die ungeteilte Aufmerksamkeit der Eltern erhalten und befürchtet nun, dass es diese teilen oder gar auf sie verzichten muss. Der Psychologe Adler sagt dazu: Das Kind wird entthront.

Wenn Ihr Kind merkt, dass es nicht mehr der Mittelpunkt ist, besteht die Gefahr, dass es sich zurückzieht. Achten Sie darauf, dass es nicht resigniert. Wenn es plötzlich stiller wird, Elan und Begeisterungsfähigkeit verliert, muss Ihnen das ein Warnzeichen sein.

Sie müssen viel erklären!

Wenn es schon drei Jahre oder älter ist, können Sie ihm viel erklären. Informieren Sie es, sobald sich Nachwuchs angekündigt hat. Helfen Sie ihm immer wieder zu überblicken, wann mit der Geburt zu rechnen ist:

„In sechs Monaten wird das Kleine geboren werden. Da nun erst Sommer ist, wird noch der Herbst kommen; auch wenn wir im Winter Weihnachten feiern, ist es noch nicht geboren. Aber dann, direkt danach, wird es zur Welt kommen.“

 

In diesem Zusammenhang wird Ihr Kind wissen wollen, woher das Kleine kommt und wie es in den Bauch der Mutter gekommen ist. Nutzen Sie diese Gelegenheit zur Aufklärung.

Entsprechende Bücher zur sexuellen Aufklärung und auch spezielle Elternbriefe helfen Ihnen, angemessene Worte zu finden. Informieren Sie Ihr Großes über die Entwicklungsphasen eines ungeborenen Kindes. Als Mutter lassen Sie es das „Wachsen Ihres Bauches“ und die Entwicklung des Ungeborenen miterleben:

„Hier in meinem Bauch wächst es nun. Es ist nun noch „so“ klein. / Jetzt hat es schon kleine Hände und Beine. Manchmal strampelt es. Komm, lege deine Hand an meinen Bauch. Vielleicht kannst du es fühlen. / Halte dein Ohr an meinen Bauch. Kannst du hören, wie es klopft?“ 

Lassen Sie die Vorfreude auf den Nachwuchs auf das große Geschwister überspringen!

Beziehen Sie Ihren großen Sprössling in die Vorfreude ein. Seien Sie nicht zu überschwänglich, so als wenn jetzt Ihr Glück erst richtig anfange. Stellen Sie die kommende Situation auch nicht zu bedrohlich dar, so als käme eine Überlastung auf Sie zu:

„Es wird schön sein, wenn das Kleine da ist. Wir werden beobachten können, wie es sich entwickelt, wie es lernt uns anzuschauen und nach uns zu greifen. Es wird auch manche neue Aufgaben geben. Wir müssen uns viel um das Kleine kümmern.“

 

Zeigen Sie auf, dass Sie sich mit der gleichen Mühe und Aufmerksamkeit auch um das jetzt „große Kind“ gekümmert haben, als es selbst noch so klein war:

„Es wird so sein wie damals als du zur Welt kamst. Manchmal hast du uns in der Nacht durch Schreien geweckt. Mehrmals am Tag haben wir dir die Windeln gewechselt. Es war immer jemand da und hat acht auf dich gegeben. Wir haben das gern getan, weil wir dich so lieb haben. Jetzt bist du schon groß. Und bald kannst du an deinem Geschwisterchen sehen, wie das damals war, als du ein Baby warst. Wir werden gemeinsam beobachten, wie es ist, wenn ein Kind wächst und langsam viele Sachen lernt.“

Ja, die Zeit wird mit dem kleinen Geschwisterchen geteilt!

Nehmen Sie Ihr Kind ernst, und überlegen Sie mit ihm gemeinsam, wie sich das Familienleben verändern wird. „Malen“ Sie in Gedanken aus, welche Belastungen und welche schönen Veränderungen bevorstehen: 

„Ich werde viel Hilfe brauchen. Wie wirst du mich unterstützen können? Wie wird Papa mir helfen? Es ist schön zu wissen, dass ihr dann für mich da seid; ich werde ganz viel Liebe brauchen.“

 

Schon vor der Geburt können Sie deutlich aussprechen, dass der Neuankömmling viel Zeit und Fürsorge beanspruchen wird. Doch machen Sie keinen Stress: „Du bist dann der Große; dann kann vieles nicht mehr so weitergehen. Denk nicht, dass ich dann noch so viel Zeit für dich habe. / Es wird sich vieles ändern. Dann erwarte ich von dir, dass du hilfst!“

Sie merken, so geht es nicht. Diese drastische Weise macht dem Kind Angst. Es möchte bei allen verständlichen Änderungen in erster Linie wissen, dass es gerade in einer solchen Umbruchsituation weiterhin ein „geliebtes Kind“ und nicht der „verantwortliche große Partner“ sein wird:

„Ja, ich werde dann viel Zeit für die kleine Maus brauchen. Aber ich werde die Zeit, die ich habe, gerecht unter euch aufteilen. Keiner von euch wird zu kurz kommen. Und wenn mir die Zeit mal knapp wird, so habe ich ja dich als Hilfe. Zusammen werden wir die neue Arbeit mit der kleinen Maus schon schaffen.“

Nein, die Liebe muss nicht mit dem Geschwisterchen geteilt werden - die Liebe wird noch mehr.

Die Zeit wird geteilt werden und manche anderen Dinge auch. Das wird Ihr Kind verstehen und akzeptieren, wenn es weiß, dass ihm nichts an Liebe verloren geht. Sagen Sie nie, denken Sie es nicht einmal, dass Sie dann auch Ihre Liebe teilen müssen. Liebe ist nicht teilbar. Sie kann sogar noch wachsen. Für jeden in der Familie kann genug ungeteilte Liebe da sein, so viel Kinder es auch sind. Jeder soll auch wissen, dass er nichts von seinem Geliebt Sein entbehren muss:

„Ändern wird sich sicherlich etwas in unserer Familie; denn wir sind dann zu viert. Doch wir werden dich genau so gerne haben wie jetzt auch. Daran wird sich nichts ändern. Wir lieben dich und wir werden das kleine Geschwisterchen lieben. Das ist möglich, ohne Abstriche. Eltern können mehrere Kinder gleich stark lieben. / Keiner wird etwas von meiner Liebe verlieren, du nicht und Papa nicht! Ich liebe euch so sehr und das Kleine dann auch noch, weil wir doch zusammen gehören.“

 

Die Liebe wird also nicht geteilt, auf keinen Fall. Wenn Ihr Kind das weiß und erlebt, können Sie über die neuen Bedingungen gut mit ihm sprechen. Lassen Sie Ihren großen Nachwuchs mit überlegen. Er soll sich nicht in eine Rolle gedrängt, benachteiligt oder gar „beraubt“ fühlen. Es kann nicht nur darum gehen, was der kleine Neuankömmling braucht und bekommen wird; auch welche Vorteile das Große aus der neuen Situation ziehen wird, muss deutlich werden:

„Lass uns schon frühzeitig klären, wie wir die Räume und Spielsachen teilen können. Einiges wirst du mit der kleinen Maus sicherlich gemeinsam benutzen. Für manche Sachen bist du ja aber schon zu groß, die kannst du dann ganz abgeben. Schön ist, dass du dann auch manche Dinge neu bekommen wirst. / Wo wird das Kleine schlafen? Wo werden seine Sachen untergebracht werden? Wie können wir die Schränke aufteilen?“

Seien Sie zwischen Ihren Kindern gerecht - Ungerechtigkeit mag ein Kind überhaupt nicht!

„Gerecht sein“ kann für Sie nicht bedeuten, dass jedes Kind das Gleiche bekommt. Es bedeutet aber, dass jedes Kind sich der Liebe der Eltern sicher sein kann und das für ihn Richtige und Notwendige erhält. Dieses ist so unterschiedlich wie die Kinder sind und ihre jeweilige Situation:

„Wir haben euch beide gleich gern. Jeder bekommt das, was er braucht und was gut für ihn ist. / Ihr wisst, versuche gerecht zu sein. Wenn einer heute mal mehr Zeit von mir bekommt, so hat das sicherlich einen Grund. Morgen ist es vielleicht der andere, um den ich mich besonders kümmere. Es gleicht sich also sicher aus.“

 

Jedes Kind muss wissen, dass es in einem ähnlichen Fall gleich behandelt wird bzw. behandelt wurde:

„Als du klein warst, bin auch nachts an dein Bett gekommen, wenn du nicht schlafen konntest. Jetzt bist du groß und ich kümmere mich anders um dich. Ich hole dich vom Kindergarten ab und gehe mit dir einkaufen.“

 

© Dieser Artikel erschien erstmals im Buch "Kleiner Schatz, ich sag dir was", Frank Maibaum, J. F. Steinkopf Verlag, Kiel 2003. Alle Rechte beim Autor.