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Höflichkeit - Manieren - Gutes Benehmen

Welche Benimmregeln und Grundregeln des guten Benehmens und der guten Manieren soll ein Kind beherrschen?

Erziehung ist keine Dressur!
Regeln für das Sprechen miteinander
Regeln für das Grüßen
Benehmen in verschiedenen Situationen

Erziehung zur Höflichkeit ist keine Dressur!

In früheren Zeiten hat man Kindern gutes Benehmen regelrecht andressiert. Das funktioniert nicht mehr - erfreulicher Weise! Denn gute Manieren lassen sich nicht erzwingen.

Begründen Sie die Anstandsregeln, die Sie fordern! Weil sich das so gehört! / Weil man das so macht! / Man tut das eben nicht!, sind keine überzeugenden Begründungen. Grundsätzlich muss deutlich werden, dass es darum geht, andere Menschen und deren Gefühle zu achten. Alle Erklärungen einzelner Regeln können darauf aufbauen:

„Jeder Mensch möchte, dass man ihn akzeptiert, dass man freundlich zu ihm ist, und seine Gefühle achtet. Wir Menschen können nur zusammen leben, wenn wir das berücksichtigen. Wenn wir nur an uns denken und es uns egal ist, wie der andere sich fühlt, wird es nur Unzufriedenheit, Ärger und Streit geben.  Das tut niemandem gut. Daher gibt es Regeln für das Zusammenleben und es ist wichtig, dass wir sie kennen und einhalten.“

Sprechen Sie Ihre Erwartung an das Verhalten des Kindes deutlich aus!

Wenn Ihr kleiner Schatz den Sinn einer Benimm-Regel kennt, brauchen Sie Ihre Erklärung nur noch hin und auffrischen, zur Erinnerung. Ansonsten genügt es, Ihre Forderung klar und bestimmt auszusprechen:

„Ich erwarte, dass du grüßt! / Ich möchte nicht, dass du mit solch bösen Worten über den Nachbarn sprichst!“

 

Vermeiden Sie es, Regeln und Anforderungen derart allgemein zu formulieren: Sei doch freundlicher! / Nimm mehr Rücksicht! / Benimm dich nicht so unerzogen! Sind Sie allerdings sehr konkret, so weiß Ihr Kind, was Sie erwarten:

„Ich habe dir erklärt, warum ich möchte, dass du mich ansiehst, wenn du mit mir sprichst! / Achte darauf, ob jemand vor dir an der Reihe ist! / Nimm bitte die Hand vom Mund, wenn du sprichst!“

Regeln für das Sprechen miteinander

Schaue den Gesprächspartner an!

„Wegschauen oder an anderen Menschen vorbeischauen bedeutet: Du bist mir nicht wichtig; dich schaue ich gar nicht an! / Beim Sprechen sind nicht nur die Worte von Bedeutung. Auch in den Gesichtszügen sieht man, was ein Mensch ausdrücken möchte. / Man sieht das in jedem Fernsehfilm: Wenn Menschen sich mögen, schauen sie sich beim Sprechen an. Wenn sie sich gleichgültig sind, schauen sie aneinander vorbei. / Ich möchte, dass du mich ansiehst, wenn ich dir etwas sage! / Schau mich bitte an, wenn du mir etwas sagst!“

Nimm beim Sprechen die Hand vom Mund!

„Wenn jemand beim Sprechen an seinen Lippen spielt oder die Hand vor den Mund hält, wird die Sprache undeutlich. Das ist unfreundlich, denn es wirkt auf den Gesprächspartner als ob man ausdrücken will: Es ist mir egal, ob du mich verstehst oder nicht! / Ich spreche nicht mit dir, wenn du dabei am Mund fummelst!“

Sprich laut und deutlich!

„Es zeigt Achtung vor dem Zuhörer, wenn man laut und deutlich spricht! Die Unterhaltung wird einfacher, wenn man sich beim Sprechen Mühe gibt. Man kann dem Zuhörer nicht zumuten, dass er immer wieder nachfragen muss. / Ich möchte, dass du dir Mühe gibst, wenn du mit mir sprichst. / Sprich bitte laut und versuche deutlich zu sprechen. Mir fällt es ansonsten zu schwer, dir zuzuhören!“

Lass Andere ausreden!

„Zum miteinander Sprechen gehört, dass man dem Gesprächspartner zuhört und ihn ausreden lässt. Es ist sehr unfreundlich, dem anderen ins Wort zu fallen. / Den anderen nicht ausreden zu lassen bedeutet: Es ist mir egal, was du sagen möchtest. Mir ist nur wichtig, was ich sagen will. / Ich lege Wert darauf, dass du mich ausreden lässt!“

Melde dich als Kind am Telefon mit deinem Vornamen und Nachnamen!

"Wenn du dich nur mit Hallo meldest, muss der andere erst nachfragen, wer am Telefon ist. Erleichtere ihm das Gespräch, indem du dich gleich mit ganzem Namen meldest. / Es wirkt freundlich und zeigt gute Erziehung, wenn Kinder sich mit Vor- und Nachnamen melden."

Musst du während einer Unterhaltung husten oder niesen, so halte den linken Arm (am besten die Armbeuge) vor den Mund!

„Durch das Husten und Niesen bläst man Bakterien und kleine Spuckepartikel in die Luft. Durch den Ärmel hält man sie zurück, damit sie nicht dem anderen ins Gesicht fliegen.

Du hast sicherlich schon gesehen, dass die meisten Menschen nicht in die Armbeuge niesen, sondern in die Hand. Das hat man früher so gemacht und aus Gewohnheit machen es die meisten Menschen noch so. Auch mir passiert das immer wieder mal. Doch das ist auch sehr unhygienisch, denn auch mit der linken Hand berührt man sehr viel - so verbreiten sich die Bakterien auch.

In die rechte Hand hustet man jedenfalls nicht, denn mit der rechten begrüßt und verabschiedet man sich. Es ist unangenehm, jemandem die Hand zu geben, in die er gerade geniest hat.“

Benimmregeln für das Grüßen

Grüße andere Menschen in freundlichen Weise!

„Begegnen sich Menschen, die sich kennen, so gehört es sich, dass sie sich grüßen und dabei ansehen." / "Ein Gruß ist wie ein guter Wunsch. Man wünscht damit dem anderen einen guten Tag. Auch, wenn man ihn nur ansieht und Hallo sagt, drückt man damit aus: Ich wünsch dir alles Gute! Schaut man vorbei, bleibt man stumm, so drückt das aus: Ich wünsche dir nichts Gutes; ich mag dich nicht! So darf man sich nur verhalten, wenn man wirklich einen Feind trifft!" / "Ich erwarte, dass du die Menschen anschaust und grüßt! Sag HALLO oder Hi, aber grüße!" / "Es ist mir peinlich, wenn mein Kind so unfreundlich ist und nicht grüßt!“

 

Es gehört sich, dass Kinder die Erwachsenen grüßen und dabei Blickkontakt aufnehmen. Die Hand geben sie nur, wenn ihnen die erwachsene Person die Hand entgegen streckt. Es gehört sich nicht, dass ein Kind von sich aus die Hand reicht. Ein Knicks bzw. ein Diener sind nicht mehr üblich. Ein Kopfnicken gehört dazu; es unterstützt optisch den freundlichen Blick.

Sitzt ein Kind wenn ein Erwachsener ihm die Hand reicht, so steht es auf. Sitzen Personen am Tisch, so grüßt immer derjenige, der hinzukommt, egal, ob er jünger oder älter ist.

 

Nimm die Hände beim Gruß aus der Hosentasche!

„Damit deutet man an, dass man bereit ist, einen Händedruck zu erwidern. Doch auch, wenn du jemandem im Vorbeigehen grüßt, nimm die Hände aus der Tasche. Es gehört sich so, weil man sich früher wohl beim Gruß zuwinkte. Davon ist zumindest übrig geblieben, dass man zumindest die Hand aus der Tasche nimmt.“

Guten Benehmens in verschiedenen Situationen

Achte stets darauf, dass du die Dinge, die nach dir noch andere Menschen benutzen, sauber hinterlässt!

„Auch als Junge pinkle bitte im Sitzen. Wenn du es im Stehen machst, spritzt es sehr und jemand muss es dann sauber machen. Wenn der Toilettentopf schmutzig wird, dann benutze die Klobürste, um ihn zu säubern. Ich zeige dir gern, wie man damit umgeht.“

Zeige nicht mit Fingern auf andere Menschen! 

„Auf Sachen zeigt man mit Fingern. Es ist unhöflich, einen Menschen wie einen Gegenstand zu behandeln“

Drängele dich nicht vor; nimm Rücksicht!

„Du zeigst, dass du Menschen achtest, wenn du nicht vordrängelst. Achte darauf, ob du an der Reihe bist. Wenn es eine Schlange gibt, so stelle dich an.“

Mache Platz für schwache, kranke, ältere Menschen!

„In Wartezimmern, im Bus und in der Bahn mache deinen Sitzplatz für ältere Menschen frei, wenn die Plätze knapp werden. Insbesondere, wenn eine schwangere Frau, ein sehr alter oder kranker Mensch keinen Platz hat, ist es sehr unhöflich, dass du sitzen bleibst. Wenn mehrere Kinder sitzen, so rückt einfach zusammen oder du stehst auf. Sag dann nichts dazu, tu es einfach. Manchmal ist es ja auch möglich, dass Kinder sich auf den Boden setzen.“

Hänsele niemanden wegen seines Aussehens, seiner Nationalität, seiner Kenntnisse und Fähigkeiten!

„Ich akzeptiere nicht, dass du so herabwürdigend über andere Menschen sprichst. Menschen sind sehr unterschiedlich und das ist gut so. Das macht unsere Welt bunt schön. Wenn du über andere Menschen so redest, macht mich das sehr traurig. Kluge, gute Menschen tun das nicht!“

Seien Sie als Vater und Mutter Vorbild in Sachen Anstand und gutes Benehmen!

Ihre Einstellung den Menschen gegenüber werden Sie im Benehmen Ihres Kindes wiederfinden. Zeigen Sie selbst Achtung vor anderen Menschen.

Reden Sie z.B. nicht hinter dem Rücken schlecht über Menschen, die Sie dann freundlich grüßen. Ein Kind hat ein feines Gefühl für solche Widersprüche. Ihre Forderung, Menschen zu achten, wird es Ihnen dann nicht abnehmen.

„Bitte“ und „danke“ zu sagen, lernt Ihr Kind indem auch Sie diese Höflichkeit im täglichen Umgang praktizieren. Auch hierbei geht es um die Achtung, die man anderen Menschen entgegenbringt.

Diese Achtung kann man auch ohne das ausdrückliche „bitte“ und „danke“ ausdrücken. Es kommt auf den Tonfall an, in dem man miteinander redet. Sagt man freundlich „Hilfst du mir mal?“, so schwingt das „bitte“ durchaus mit, ohne ausdrücklich ausgesprochen zu sein. Vermeiden Sie Korrekturen wie „Wie heißt das Zauberwort? / Was sagt man?“ Verlangen Sie aber, dass Ihr Kind Ihnen gegenüber Achtung beweist. Reagieren Sie auf „ungezogene“ Bemerkungen nicht, wenden Sie sich ab oder stellen Sie sofort klar:

„Ich akzeptiere nicht, dass du so mit mir redest! / Solch ein Ton zerstört die Atmosphäre in unserer Familie. / So nicht!“

 

© Dieser Artikel erschien erstmals im Buch "Kleiner Schatz, ich sag dir was", Frank Maibaum, J. F. Steinkopf Verlag, Kiel. Alle Rechte beim Autor.