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Unser Kind ist aggressiv!

Was tun wir, wenn das Kind oft haut, kratzt, beißt - Wenn es sich oft aggressiv verhält?

Streiten ist gesund!

Doch nicht hauen, kratzen beißen!

Nicht schimpfen - Grenzen setzen!

Bieten Sie Lösungen an!

Abendritual: Den Streit reflektieren!

Streiten ist gesund

Es kann nicht darum gehen, Streit zwischen Kindern zu vermeiden.

Es ist aber pädagogische Aufgabe, das "gesundes Streiten" gelernt wird. Dabei spielt die sprachliche Bewältigung von Konflikten eine bedeutende Rolle. Denn wenn ein Kind seine Ansprüche und Forderungen, seinen Ärger und Zorn mit Worten ausdrücken kann, so können die Fäuste schweigen.

 

Da die Kleinen gerade sprachlich noch ungeübt sind, greifen sie schnell und spontan zu handgreiflichen Mitteln.

Sie möchten mit diesem Verhalten Ihre Ansprüche durchzusetzen oder Frustration ausdrücken. Wenn ein Kind sich derart negativ aggressiv äußert, dass es haut, kratzt, beißt, an den Haaren zieht, so ist es in diesem Lernprozess eindeutig auf einer falschen Fährte.

Doch, wenn Streit in hauen, kratzen beißen ausartet ist die Grenze eindeutig überschritten!

Wenn Streit in hauen, kratzen beißen ausartet, so denken Sie nicht: „Mein Kind wird schon sehen, was es davon hat; dann bekommt es halt auch etwas auf die Nase und wird beim nächsten Mal zurückhaltender sein.“ So sehr ansonsten stimmt, dass Kinder eigene Erfahrungen machen müssen – hier müssen Sie eingreifen.

Treten, kratzen, beißen, schubsen und andere körperliche Angriffe sind absolut tabu. Darüber wird nicht diskutiert. Stoppen Sie solche Aktionen sofort.

Fassen Sie Ihr aggressives Kind fest am Handgelenk, setzten Sie es einen Meter zurück.

Die unmittelbare, eindeutige Reaktion mit ernstem Blick und klaren, wenigen Worten ist wichtig.

Wird sich handgreiflich um einen Gegenstand gestritten oder dient dieser als Schlagwerkzeug, so nehmen Sie den Gegenstand weg. Wenden Sie sich dann sofort auch kurz ab, um Ihren Unmut körperlich und mimisch auszudrücken:

"So nicht!" / "Es wird nicht gehauen!"

 

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Kinder dürfen aggressiv sein!

Nicht bemitleiden, nicht schimpfen - aber Grenzen setzen!

Wird ein Kind bei den Auseinandersetzungen verletzt, so versorgen Sie es natürlich soweit wie nötig. Sie sollten es nun allerdings nicht trösten. Dies ist auch nicht der Augenblick, wo Ihr Kind aus Vorwürfen oder Erklärungen lernt, wie: „Ich hab dir doch schon oft gesagt, dass du nicht hauen sollst!“ „Du weißt, Hauen und Kratzen sind keine sinnvollen Mittel, seine Ziele zu erreichen!“.

Werden Sie in Ihren Vorwürfen nicht „persönlich“ und verallgemeinern Sie nicht: „Du bist aber ein böses Kind!“ Nein, Ihr gutes Verhältnis zu Ihrem Kind wird durch sein Verhalten nicht getrübt; denn es ist nicht das Kind sondern es ist die konkrete Handlung, die Sie nicht akzeptieren.

Schimpfen Sie jetzt nicht und lassen Sie sich nicht zu „Tätlichkeiten“ hinreißen; denn sonst lenken Sie die Aufmerksamkeit auf sich und weg von der Handlung. Ein Satz genügt:

"Ich möchte nicht, dass ihr eueren Streit so regelt!" / "Es wird nicht geschlagen!"

 

Lassen Sie sich nicht in eine Diskussion darüber verstricken, wer mit den Aggressionen angefangen hat:

"Das will ich nicht hören, einigt euch!"

 

Beenden Sie das Spiel - ohne Diskussionen und Vorhaltungen - wenn der Friede nicht herzustellen ist:

"Ich sehe, es ist jetzt nicht möglich, dass ihr weiterspielt. Bestimmt klappt es morgen besser!"

 

In ruhiger Atmosphäre sprechen Sie dann aber mit Ihrem Kind über sein aggressives Fehlverhalten. Machen Sie „ohne wenn und aber“ deutlich, dass Sie diese handgreifliche Form der Auseinandersetzung nicht tolerieren. Tun Sie dies in ernstem, sachlichem Ton, aber ohne zu schimpfen, ohne das Kind herabzuwürdigen oder andere Kinder als Vorbild hinzustellen - Ihre Ablehnung gilt nur der Tat, nicht dem Kind:

"Nein, es gibt keinen Grund zu kratzen. Wenn Sascha immer wieder böse zu dir ist, so müssen wir überlegen, wie wir damit umgehen, ohne ihn zu verletzen."

Bieten Sie bei Streitigkeiten Lösungen an!

Bieten Sie Lösungen an, die ein Weiterspielen trotz der Auseinandersetzungen ermöglichen:

Teilen, Abwechseln, Reihenfolge Festlegen, Warten, bis man dran ist, sind solche möglichen Lösungen der Streitsituation.

Diese Hilfestellungen braucht Ihr Kind. Schlagen Sie die Einigung - und vielleicht auch eine Alternative dazu - nur vor, verordnen Sie diese nicht. Die Einigung muss freiwillig angenommen werden, weil das aggressive Fehlverhalten ansonsten bei nächster Gelegenheit noch heftiger ausbricht:

"Ich schlage vor, ihr stellt euch hintereinander an die Rutsche. Wenn einer oben losgerutscht ist, kann der Nächste hoch gehen."

 

Ist ein Spiel missglückt, so suchen Sie bald eine Möglichkeit, eine gute Situation zu organisieren. Bekräftigen Sie jetzt schon kleine positive Schritte:

"Sehr gut!" / "Wunderbar, wie ihr heute spielt!" / "Das macht mich sehr froh, wie ihr miteinander klar kommt!"

Lassen Sie das Spiel nicht zu lang werden und die Spielpartner nicht zu müde. Beenden Sie das Zusammensein, wenn es noch schön ist.

Mangelndes Wohlbefinden als Ursache für aggressives Verhalten

Bedenken Sie, dass unausgeglichenes, aggressives Verhalten eines Kindes auch in schlechter körperlicher Verfassung begründet sein kann.

Das kennen Sie sicherlich von sich selbst: Wenn Sie ausgeschlafen sind, sich körperlich wohl fühlen, so fällt es Ihnen leichter, gelassen und rücksichtsvoll zu agieren. Sie reagieren eher gereizt, wenn Sie müde sind oder aufwühlende Stoffe zu sich genommen haben, wenn Ihnen unwohl ist oder sich eine Krankheit anbahnt. Bei Kindern ist das nicht anders. Achten Sie auf eine gute körperliche Verfassung Ihres Kindes.

Ihr Kind braucht genügend Schlaf.

Dosieren Sie also die Zeit, die es vor dem Fernsehgerät, am Computer oder mit der Spielkonsole verbringt. Beachten Sie unsere Fernsehregeln.

Ihr Kind braucht ausgewogene Nahrung und es muss körperlich gesund sein!

Die Ernährung

Dass unsere Ernährung unser Wohlbefinden und auch unser Verhalten beeinflussen, ist lange bekannt. Dass die Nahrung, die wir zu uns nehmen auch unser Verhalten beeinflusst und auch aggressives Verhalten hervorrufen kann, zeigen neuere Forschungsergebnisse zum Thema Essen und aggressives Verhalten. Das gilt für Erwachsene und insbesondere für Kinder.

Die Forschungsergebnisse lassen sich auf die Formel zusammenfassen: Vitamine statt Fast Food und Mineralwasser statt Cola und süße Getränke.

Bedenklich ist nicht der gelegentliche Besuch des Burger-Restaurants. Problematisch für das Kind ist, wenn regelmäßig Fertigkost auf den Tisch kommt, die mit all ihren Zusatzstoffen den kindlichen Körper dauerhaft belastet.

Neben dem "Was man isst" ist auch das "Wie man isst" für die emotionale Entwicklung des Kindes bedeutsam. Achten Sie auf regelmäßigen Essenszeiten, auf gemeinsames Essen, dass das Essen nicht von Hektik noch Streit umgeben ist, dass Sie sich Zeit nehmen und eine angenehme Atmosphäre schaffen.

Körperliche Gesundheit

Auch die körperliche Verfassung und Gesundheit Ihres Kindes steht im Zusammenhang mit seinem Verhalten. Achten Sie darauf und beobachten Sie Ihr Kind. Akute Krankheiten bemerken Sie leicht. Problematisch sind dagegen alle chronischen Erkrankungen. Sie werden oftmals erst spät bemerkt, da ihr Verlauf "schleichend" und nicht so heftig ist wie eine akute Erkrankung.

In diesem Zusammenhang weise ich auf auf Lebensmittelallergien hin. Auch diese beeinflussen das Verhalten von Kindern und können neben körperlichen Reaktionen zu Verhaltensauffälligkeiten führen. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung rät:

Beobachten Sie Ihr Kind genau und fragen Sie es - wenn es sein Alter schon zulässt- möglichst nach seinen Beschwerden. Treten die Symptome einer Lebensmittelallergie immer direkt oder wenige Stunden nach dem Essen bestimmter Lebensmittel auf, sollten Sie den Verdacht auf eine Allergie gegenüber dem Kinderarzt äußern. Es können aber auch 24 bis 48 Stunden nach dem Genuss eines Lebensmittels Reaktionen erfolgen.

Zeigen Sie Verständnis für die Nöte Ihres Kindes!

Ihr Kind muss Gelegenheit haben, Ihnen über erfreuliche und frustrierende Erlebnisse zu erzählen. Nehmen Sie sich dafür die nötige Zeit. Es muss jemand zuhören und auch nachfragen, wenn es aus dem Kindergarten kommt, vom Spielplatz, von Freunden. Es soll sich in der Familie geborgen fühlen:

"Na, was gab es heute?" / "Du siehst ja ärgerlich aus?" / "Hast du etwas erlebt?"

 

Hören Sie zu; versuchen Sie, das Problem der Kinder zu verstehen, und helfen Sie dann bei der Suche nach einer Lösung:

"Ja, das habe ich verstanden. Und was können wir jetzt tun?"

 

Kinder glauben oft, ungerecht behandelt worden zu sein, und möchten dann energisch reagieren. Zeigen Sie dann bei diesem Gespräch Verständnis dafür, und zeigen Sie positive Wege auf, Konflikte zu lösen:

"Ich verstehe ja, dass du zornig bist, wenn dir jemand deine Lieblingsfigur wegnimmt. Aber dann sag das doch dem anderen Kind: „Ich möchte nicht, dass du mir meine Figur wegnimmst“, oder „Das ist mein Lieblingsspielzeug, das gebe ich nicht ab.“

Seien Sie Vorbild!

Üben Sie selbst mit den anderen Familienmitgliedern und mit dem Kind positives Streiten. Dabei dürfen Sie natürlich auch wütend sein und Ihre eigenen Anliegen energisch vertreten:

"Ich bin so wütend; ich möchte sofort wissen, wer die Seite aus meinem Buch gerissen hat."

 

Lassen Sie das Kind miterleben, wenn Sie sich nach einem Streit mit dem Partner oder anderen Familienmitgliedern einigen oder wieder versöhnen:

"O.K., wenn das klar ist, dann können wir uns wieder vertragen. Ich möchte ja nur, dass man meinen Ärger versteht."

Machen Sie es zum festen Ritual, am Abend: den Streit reflektieren!

Die negativen Situationen des Tages besprechen Sie mit dem Kind nicht direkt vor dem Schlafengehen oder gar, wenn es schon im Bett liegt; hier erinnern Sie lieber an die schönen Ereignisse und heben diese hervor:

"Ja, da war einiger Streit heute; aber es hat doch auch vieles gut geklappt." / "Ich fand richtig gut, wie du Benny die Meinung gesagt hast, ohne ihm weh zu tun. Ich glaube, das hat er verstanden."

 

© Dieser Artikel erschien erstmals im Buch "Kleiner Schatz, ich sag dir was", Frank Maibaum, J. F. Steinkopf Verlag, Kiel 2003. Alle Rechte beim Autor.

 

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