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Vor sexuellem Missbrauch schützen

Wie bewahren wir es vor sexuellen Gefahren? / So stärken Sie ein Kind gegen sexuellen Missbrauch!

Das müssen Sie dazu wissen!
Selbstbewusstsein und Selbständigkeit!
Über seinen Körper selbst bestimmen!
Nicht "typisch Mädchen", "typisch Junge"!
Frühzeitige offene Sexualerziehung!

Das müssen Sie zunächst zum Thema "Sexueller Missbrauch" wissen:

Die Gefahr, Opfer von sexuellen Übergriffen zu werden, ist geringer bei Kindern, die

In den weitaus meisten Fällen von sexuellen Übergriffen und sexuellem Missbrauch stammen die Täter aus dem Verwandten- oder Bekanntenkreis des Opfers.

Aufgrund dieser Erkenntnisse und zahlreicher Forschungsergebnisse legen wir Ihnen die folgenden Erziehungsratschläge ans Herz, die helfen sollen Ihr Kind stark zu machen. Das ist die beste Prävention gegen sexuelle Annäherungen und Übergriffe.

1) Nehmen Sie Ihrem Kind Entscheidungen nicht ab!

Wo immer es möglich ist, lassen Sie Ihr Kind mitreden und mitentscheiden:

"Was meinst du, welche Schuhe sollten wir kaufen?"

In Situationen, wo Fehlentscheidungen nicht folgenschwer sind, geben Sie zwar Ratschläge, lassen dann aber das Kind selbst entscheiden. Seien Sie hinterher nicht hämisch, wenn es nicht die beste Wahl getroffen hat: „Na siehst du, ich habe es ja vorher gewusst!“ Es lernt von selbst durch die natürlichen Folgen seiner Handlungen:

"Ich meine zwar, dass du Hunger haben wirst, wenn du das Butterbrot nicht mitnimmst – aber wenn du es unbedingt nicht mitnehmen willst, o.k., probier es, vielleicht bekommst du keinen Hunger."

 

Nehmen Sie dem Kind die vielen kleinen Entscheidungen, die im Laufe des Tages zu fällen sind, nicht ab. Nehmen Sie sich die Zeit, immer wieder die sinnvollen Handlungsalternativen zu nennen:

"Einen Pullover musst du schon anziehen, denn es ist draußen sehr kalt – möchtest du lieber den blauen oder den roten?"

2) Lassen Sie Widerworte zu!

Lassen Sie Widerworte zu. Vermitteln Sie dem Kind, dass es durchaus "nein" sagen darf. Begründen Sie Ihre Entscheidungen und regen Sie das Kind an, Gründe für seine Wünsche zu formulieren:

"Ich bin sicher, dass jetzt nicht mehr genug Zeit ist, mit Ingo zu spielen; in einer halben Stunde gibt es Mittagessen und dann bist du ganz traurig, wenn ich dich dann schon wieder rufe. Können wir uns denn irgendwie einigen?"

 

Kommen Sie dem Kind entgegen, wenn es gute Gründe für seine Handlungen hat. Wenn Sie sich gegen den Willen des Kindes durchsetzen müssen, sprechen Sie später ruhig über die Situation. Machen Sie deutlich, dass zwischen Ihnen nicht der Zwang des Stärkeren herrscht, sondern der „zwanglose Zwang“ eines guten Argumentes.

"Lass uns noch einmal über den Streit reden, den wir heute Früh hatten. Ich habe gemerkt, dass du sehr enttäuscht warst. Aber ich bitte dich zu verstehen, dass ich nicht anders entscheiden konnte."

3) Fördern Sie Selbstbewusstsein und Selbständigkeit!

Behandeln Sie das Kind bei Entscheidungen immer so, als sei es schon "reifer", als es wirklich der Fall ist. Lassen Sie es mitsprechen wie einen gleichberechtigten Partner. So fördern Sie sein Selbstbewusstsein und seine Selbstständigkeit (wichtig, um sich gegen sexuelle Annäherungen zu wehren): 

"Gut, dass ich jemanden habe, der mitdenkt."

4) Lassen Sie Fehler zu!

Machen Sie grundsätzlich deutlich, dass auch Erwachsene Fehler machen, dass ihr Handeln nicht immer gut ist und sie nicht immer Recht haben. Kinder aus autoritären und hierarchischen Familien werden eher Opfer von sexuellen Übergriffen. Kinder müssen das Recht haben, auch Erwachsene auf Irrtümer und Fehlentscheidungen hinweisen. Scheuen auch Sie sich nicht, andere Erwachsene auf offensichtliche Fehler hinzuweisen; und geben Sie somit Ihrem Kind immer ein gutes Beispiel:

"Das finde ich aber nicht richtig, dass Sie den Müll einfach auf die Straße werfen."

5) Zeigen Sie Ihrem Kind, dass es über seinen Körper selbst bestimmt!

Besprechen Sie mit dem Kind, dass es ein Recht darauf hat, selbst zu bestimmen, was mit seinem Körper geschieht. Es soll selbst entscheiden, ob es berührt, liebkost, gestreichelt, geküsst werden möchte. Überreden Sie es nicht, Liebkosungen, die es als unangenehm empfindet, hinzunehmen. Drängen Sie es nicht mit Bemerkungen wie: „Opa mag dich doch so gern":

"Wenn du nicht magst, dass dir jemand ein Küsschen gibt, darfst du es gerne sagen. Das muss dann jeder akzeptieren."

 

Üben Sie mit dem Kind, wie es sich ausdrücken kann, wenn ihm die üblichen Liebkosungen nicht recht sind: 

"Ich möchte nicht gedrückt werden! / Ich mag jetzt nicht schmusen, jetzt jedenfalls nicht!"

 

Auch Sie selbst als Eltern sollten das kindliche Recht auf Selbstbestimmung über seinen Körper beachten. Bedrängen Sie das Kind nicht! Fordern Sie nicht körperliche Nähe wie Zärtlichkeit, Drücken, Schmusen, Kuscheln. Achten Sie sensibel darauf, was Ihnen das Kind mit seiner Körpersprache (Mimik, Gestik, Haltung) ausdrückt:

"Ich merke, du magst das jetzt nicht; sag ruhig: „Ich möchte jetzt meine Ruhe haben!“

6) Sprechen auch Sie offen über Gefühle!

Sprechen auch Sie selbst offen über Ihre Gefühle – dem Kind gegenüber und dem Partner oder der Partnerin gegenüber (im Beisein des Kindes):

"Du hast mich schon lange nicht mehr in den Arm genommen – das vermisse ich. / Es ist schön, so zu kuscheln. / Du, Schatz, ich möchte jetzt nicht schmusen, mir ist nicht danach."

7) Erziehen Sie ein Mädchen nicht in eine "typische Rolle“!

Zurückhaltende, schüchterne, „gefügige“, „stille“ Mädchen sind auffallend häufiger Opfer von Sexualtaten als selbstbewusste, energische, die genau wissen, was sie wollen. Erziehen Sie ein Mädchen also nicht in eine vermeintlich „typische Mädchenrolle“. Dies ist kein Plädoyer für geschlechtsneutrale Erziehung; Mädchen und Jungen sind nicht geschlechtsneutral. Ihre natürliche Unterschiedlichkeit darf auch im pädagogischen Umgang mit ihnen deutlich werden. Doch vermeiden Sie "platte" Geschlechterrollen. Also nicht: „So sind Mädchen nicht!“ / „Mädchen sind aber lieber!“ / „Mädchen sagen solche Worte nicht!“:

"Sag ruhig, was deine Meinung ist! / Du darfst gerne widersprechen!"

 

8) Erziehen Sie einen Jungen nicht in eine „typische Jungenrolle“

„Typische Jungen“, die sich durchsetzen, die sich nichts gefallen lassen, die zurückschlagen, geben sich oft selbst die Schuld, wenn sie Opfer sexueller Übergriffe werden. Sie meinen, sie hätten sich wehren müssen und mögen nicht über ihre vermeintliche Schwäche reden. Erziehen Sie einen Jungen also nicht in eine „oberflächlich typische Jungenrolle“. Also nicht: „Ein Junge weint nicht!“ / „Sei keine Memme!":

"Ja, ich finde es gut, wenn du deine Gefühle zeigst. / Es ist sehr sinnvoll, dass du deine Schwächen auch zugibst. / Weine ruhig, wenn dir danach ist, halte deine Tränen nicht zurück."

9) Frühzeitige, gute, offene Sexualerziehung ist bedeutsam!

Sexualtäter machen sich Unwissenheit und natürliche Neugier von Kindern zunutze. Frühzeitige, gute, offene Sexualerziehung ist also bedeutsam. Machen Sie sich in Fragen der Sexualerziehung sachkundig; verheimlichen Sie Ihrem Kind den sexuellen Bereich nicht:

"Du möchtest gerne wissen, warum Jungen da anders sind – ich erkläre es dir gerne."

10) Ein gutes Vertrauensverhältnis vermindert die Wahrscheinlichkeit des sexuellen Missbrauchs!

Schaffen Sie ein Vertrauensverhältnis zum Kind. Es soll sich immer an Sie wenden können – auch mit peinlichen Fragen. Nehmen Sie sich Zeit; hören Sie zu. Achten Sie die Sorgen des Kindes, auch wenn sie Ihnen nur gering erscheinen. So wird es schon die Anfänge ungebührlicher sexueller Annäherungen offen mit Ihnen ansprechen:

"Ich sehe es dir doch an, dich bedrückt etwas. Magst du darüber sprechen. Ich nehme mir Zeit für dich."

 

90 % aller sexuellen Vergehen an Kindern geschehen durch nahe Verwandte und Bekannte. Hören Sie offen zu, wenn das Kind Sympathie und Antipathie äußert. Natürlich gibt es viele andere Gründe, warum ein Kind nicht mit jemandem allein sein möchte; doch versuchen Sie die Gründe zu besprechen, nutzen Sie ruhige Momente dafür. Beschwichtigen Sie nicht vorschnell: „Ach, der ist doch ganz in Ordnung!“:

"Komm, sag mir, was los ist. / Es scheint dich ja zu belasten. / Können wir darüber reden?"

11) Missbrauch ist ein belastendes "Geheimnis"!

Erklären Sie, dass es „gute“ und „schlechte“ Geheimnisse gibt - gute machen Freude und sind spannend; schlechte sind belastend. Rechnen Sie damit, dass Ihr Kind dann Sie fragt, welche denn Ihre Geheimnisse als Kind waren. Ihre aktuellen Geheimnisse verraten Sie natürlich nicht – dann wären es ja keine mehr. Schön wäre es natürlich, wenn Sie doch ein kleines Geheimnis haben, das Sie ihm dann anvertrauen können:

"Es ist gut, wenn du kleine Geheimnisse hast; denn es gibt schöne Geheimnisse, die Freude machen; manche erzählt man dann nicht einmal den Eltern; die kennt nur der beste Freund oder die Schwester; solche kleinen Geheimnisse hatte ich als Kind auch.  Es gibt aber Geheimnisse, die bedrücken; das sind keine guten Geheimnisse, die sollte man schnell jemandem erzählen, den man mag."

 

© Dieser Artikel erschien erstmals im Buch "Kleiner Schatz, ich sag dir was", Frank Maibaum, J. F. Steinkopf Verlag, Kiel 2003. Alle Rechte beim Autor.