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Tischmanieren« Schimpfen »Nachwuchs

Statt zu schimpfen - Mehr erklären

In erster Linie brauchen Kinder Liebe, Verständnis, Erklärungen und klare Grenzen - das nervige Geschimpfe der Eltern brauchen sie mit Sicherheit nicht.

Wenn ein Missgeschick geschieht!
Klare Grenzen müssen sein!
Stopp Schimpfen - Neue Reaktionsweisen!

Wenn dem Kind ein Missgeschick geschieht

Oftmals schimpfen Erwachsene, wenn ein Kind sich ungeschickt verhält. Doch bei Ungeschicklichkeit und Missgeschicken ist es angebracht, Verständnis zu zeigen und zu helfen. Ihr Kind wächst in die Welt hinein, so wie Sie in neue Aufgaben hinein­ wachsen – auch Sie sind froh, wenn Ihnen dann jemand beisteht.

Ihr Kind soll seine Fähigkeiten entfalten und weiter entwickeln. Dabei ist hinderlich, wenn es eingeengt und zurückgedrängt wird. Seien Sie geduldig bei schwierigen Aufgaben; überfordern Sie das Kind nicht, lassen Sie es in kleinen Schritten lernen. Erklären Sie die richtige Verhaltensweise und machen Sie diese vor, geben Sie ein Beispiel oder führen Sie die Hand:

"Ja, ich weiß, das ist sehr schwierig - komm, ich helfe dir!"

 

Geschieht dem Kind ein Missgeschick bei einer Aufgabe, die es eigentlich schon bewältigen kann, so machen Sie deutlich, dass das jedem – auch Ihnen - passieren kann:

"Oh, das passiert schnell, da muss man ganz vorsichtig sein. Komm, ich helfe dir!"

 

Erklärungen sind immer sinnvoller als Schimpfen oder andere Strafen. Denken Sie nicht, Ihr Kind sei zu dumm, etwas zu verstehen. Nehmen Sie sich die Zeit und machen Sie sich die Mühe, etwas zu erklären. Lernen Sie, sich Ihrem Kind mit einfachen Worten verständlich zu machen.

"Wenn du den Löffel so hältst, dann kleckert es nicht."

 

Das Schimpfen ist zumeist sehr gut gemeint. Eltern schimpfen aus Sorge um ihr Kind, weil Sie Angst haben, es könnte ihm etwas passieren, wenn es solche Fehler macht. Doch Angst oder Ihr Ärger sollte Sie nicht überwältigen.

Behandeln Sie Ihr Kind wie einen guten Partner; sprechen Sie über Ihre Angst und Sorge. Wenn Sie Ihr Kind vernünftig behandeln (also seine Vernunft ansprechen), wird es vernünftig werden!

"Ich mache mir doch solche Sorgen um dich, wenn du zu spät kommst; darum erwarte ich, dass du auf dem kürzesten Weg nach Hause kommst; kannst du meine Angst verstehen?"

Ein Kind braucht klare Grenzen - Doch das hat mit schimpfen nichts zu tun!

In den Fällen, in denen Sie reagieren müssen, um Ihr Kind oder andere Beteiligte vor Schaden zu schützen; seien Sie in Ihren Reaktionen knapp, deutlich und sachlich, und beachten Sie darüber hinaus die Grundregel: Ich lasse mich nicht provozieren:

"So nicht! / Dieses Verhalten kann ich nicht akzeptieren! / Darüber wird jetzt nicht diskutiert!"

 

In einer Gefahrensituation greifen Sie sofort ein. Danach erklären Sie ruhig den Ernst der Situation. Bleiben Sie dabei sachlich! - Das ist besonders wichtig. Schimpfen Sie jetzt nicht und überhäufen Sie das Kind andererseits nicht mit Liebesbekundungen wie Streicheln, Drücken, Küssen (aus Freude darüber, dass ihm dennoch nichts passiert ist). Das Kind darf nicht lernen: „Man liebt mich nur, wenn ich einer Gefahr entkommen bin.“ Denn dann wird es sich immer wieder in Gefahr begeben, um Ihre Liebe zu spüren oder Sie emotional aufzuwühlen:

"Ich kann das nicht zulassen, dass du auf die Straße läufst, ohne dich zu vergewissern, dass kein Fahrzeug kommt. Das ist zu gefährlich. Du musst erst stoppen und dann schauen! Komm, wir machen das mal gemeinsam."

 

So stoppen Sie Ihr Schimpfen

Üben sie neue Reaktionsweisen!

Zeigt Ihr Kind häufiger Verhaltensweisen, über die Sie sich sehr ärgern, so achten Sie genau auf Ihre Reaktion: Manche Kinder provozieren das Schimpfen der Eltern ganz bewusst, denn sie empfinden diese emotionale Reaktion als guttuende Zuwendung. Das klingt paradox, doch es ist so. Desto weniger ein Kind geliebt, gelobt, beachtet und ernst genommen wird, desto mehr wird es das "Ausgeschimpft-werden" als positiv empfinden - Wann sonst ist jemand so emotional bei ihm und "kümmert" sich so sehr? "Wenn jemand schimpft, ist wenigstens jemand da!"

Bei manchen Eltern bestimmt "schimpfen", "ermahnen", "sich erregen" den Großteil der Erziehungsarbeit. Dann bleibt kaum noch Zeit, sich in Ruhe und mit Kraft dem Kind zuzuwenden. So bleibt dem Kind keine Möglichkeit, die elterliche Aufmerksamkeit durch positive Verhaltensweisen auf sich zu lenken.

Wenn Sie merken, dass Sie im Umgang mit Ihrem Kind zu viel schimpfen, so „treten Sie jetzt die Notbremse“! Lassen Sie sich nicht mehr reizen; ignorieren Sie jede Provokation ab sofort! Sie beachten das negative Verhalten Ihres Kindes nicht mehr! Halten Sie das durch, auch wenn Ihr Kind nun in noch stärkerem Maße versucht, Ihre Aufmerksamkeit zu erlangen.

Sie beachten das unerwünschte Verhalten nicht. Sie dürfen darauf vertrauen, dass es nachlässt, wenn Sie konsequent bleiben. In einer ruhigen Minute (nicht in einer Situation, in der das Kind gerade Ihre Grenzen austestet) erklären Sie ihm Ihre neue Vorgehensweise partnerschaftlich:

"Du wunderst dich sicherlich, dass ich mich vorhin anders verhalten habe, als du es gewohnt bist. Ich habe festgestellt, dass ich in letzter Zeit zu viel geschimpft habe; unser Verhältnis war nicht gut. Das werde ich nun ändern. Ich werde auf Verhalten, über das ich mich bisher aufgeregt habe, nicht mehr reagieren. Dafür werde ich aber auch ganz lieb zu dir sein, wenn du dich lieb verhältst. Ich bin sicher, das wird dazu führen, dass wir uns viel besser verstehen."

Diese „neue“ Reaktionsweise Ihrerseits macht nur Sinn, wenn Sie Ihrem Kind ansonsten reichlich Zuwendung schenken und sich ihm dann sofort zuwenden, wenn es positives Verhalten zeigt – sei dieses Verhalten noch so gering. Loben Sie, streicheln Sie, laden Sie Ihr Kind zum Spiel ein:

"Das machst du sehr gut! / Gut! / Schön! / Es gefällt mir, was du da machst!"

 

Natürlich wird Ihr Miteinander sich nicht schlagartig ändern. Rückfälle wird es geben. Bleiben Sie aber konsequent und verhalten Sie sich nimmer so: Das provokative Verhalten des Kindes wird nicht wahrgenommen, positive Ansätze werden dagegen unmittelbar verstärkt.

Sobald Ihnen mehrere solcher befriedigender Situationen gelungen sind, erklären Sie dem Kind, wie glücklich Sie der Wandel im Umgang miteinander macht. Unternehmen Sie dann zur Belohnung etwas gemeinsam - etwa einen Spielnachmittag, einen Zoobesuch, besuchen Sie eine Zirkusveranstaltung oder gehen Sie gemeinsam ins Kino. Das soll etwas sein, das Ihnen und Ihrem Kind gefällt.

"Ich war oft sehr gestresst und du hast es mir auch nicht leicht gemacht. Ich bin richtig glücklich, dass wir nun so vernünftig miteinander reden können,. Lass uns das feiern. Hast du Lust, dass wir am Wochenende zum Märchenpark fahren?"

 

© Dieser Artikel erschien erstmals im Buch "Kleiner Schatz, ich sag dir was", Frank Maibaum, J. F. Steinkopf Verlag, Kiel 2003. Alle Rechte beim Autor.