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Nachrichten / Schreckensmeldungen

Was bedeuten die Katastrophenmeldungen für unser Kind und unseren Umgang mit ihm? Am Beispiel der Katastrophe im Kernkraftwerk Fokushima erklärt!

Kindgerechte Nachrichtensendungen?
Sollen Kinder Nachrichten sehen & hören
Dem Kind Betroffenheit offen zeigen?

Wo finde ich kindgerechte Nachrichtensendungen?

Da können Sie zusammen mit Ihrem Kind kindgerecht aufgearbeitete Informationen zum Erdbeben, zu den Reaktorvorfällen und zur nuklearen Katastrophe hören und lesen:

Nachrichten für Kinder im Kika (kinderkanal des zdf) Sie finden die Sendezeiten unter: www.tivi.de/tvprogramm (üblicherweise um 14.08 Uhr und um 16.18 Uhr für jeweils zwei Minuten

Kindgerechte Informationssendungen zu aktuellen Themen bietet DasErste.de unter www.wdr.de/tv/neuneinhalb

Hintergrundinformationen (z.B. wie Erdbeben entstehen) finden Sie unter www.tivi.de/logo

Der Südwestrundfunk gibt kindgerechte Informationen zum Ansehen und Hören unter www.kindernetz.de

WDR5 bietet täglich Kinderradio um 14.05 Uhr Programminformationen gibt es unter www.lilipuz.de

Achtung: Diese Internetportale und Sendungen helfen, Ihr Kind zu informieren. Doch sie ersetzen nicht Ihre Nähe und das Gespräch mit Ihrem Kind. Darum lesen Sie unsere folgenden pädagogischen Ratschläge:

Die Kinder spüren die Bedrückung durch Schreckensmeldungen!

An unseren Kindern gehen Schreckensmeldungen nicht vorbei!

Ich bin zu Besuch bei Frau Herholt, einer jungen Mutter. Als Pfarrer bespreche ich mit ihr die geplante Taufe ihres zweiten Kindes. Das kleine liegt im Kinderzimmer und schläft. Wir sitzen am Küchentisch. Torben, der vierjährige Erstgeborene, spielt nebenan im Wohnzimmer mit seinen Legosteinen. Die Tür zum Wohnzimmer ist angelehnt. Das Radio in der Küche sendet noch; die Mutter will es gerade ausschalten. „Ich höre den ganzen Tag“, sagt sie „wegen der Berichte über Japan! Ich habe die letzte Nacht deswegen ganz schlecht geschlafen, bin schon früher aufgestanden, um die 5.00 Uhr-Nachrichten zu hören.“

Sie zögert noch mit dem Ausschalten des Gerätes, denn gerade berichtet eine Mutter aus dem Katastrophengebiet, dass sie mit ihrer Tochter an der Hand auf dem Balkon stand, als die Welle kam. Die Tochter wurde weggerissen. Nun ist sie auf der Suche nach ihr. „Ich bin sicher, dass sie irgendwo umherirrt“, hören wir aus dem Radio, „aber sie weiß ja nicht wohin, unser Haus steht ja nicht mehr; ich muss sie finden!“ Frau Herholt schaltet das Radio aus. „Ist doch schlimm!“ sagt sie und schaut mich traurig an.

Einen Augenblick lang denke ich, nun wird sie weinen. Doch sie fasst sich mit den Worten: „Wir können nur froh sein, dass es uns so gut geht!“ Wir sprechen über Taufe. Einige Minuten sind sicherlich schon vergangen, da kommt Torben zu uns. „Mama, wo ist denn das Kind jetzt?“, fragt er.

Einen Augenblick lang stockt mir der Atem, denn ich bin sicher, sie wird nun sagen: „Jetzt nicht, Torben, der Pfarrer ist da!“ Und Torben wird wieder still zu seinen Bausteinen gehen. Doch die Mutter winkt Torben näher; er setzt sich auf ihren Schoß und drückt sich an sie. Eine Antwort erwartet er nicht; er weiß wohl, dass seine Mutter keine hat. Er ist zufrieden so. Ich atme auf. Gut so, denke ich. In solchen Situationen fehlen uns oft die Antworten - Doch unsere Nähe darf nicht fehlen!

Die Katastrophe wirft pädagogische Fragen auf

Statt über die Taufe redet Frau Herholt nun darüber, wie man mit Kindern angesichts der Katastrophenmeldungen umgehen sollte. Sie weiß, dass ich einige Erziehungsratgeber geschrieben habe und im Internet eine Seite zur Erziehung im Vorschulalter betreibe. Also sieht sie in mir wohl einen willkommenen Gesprächspartner. Hier sind die Fragen, die wir besprechen. Die Antworten, die wir finden, geben wir Ihnen als Ratschlag weiter.

Sollen die Kleinen überhaupt schon die Nachrichten hören bzw. sehen?

Die täglichen Nachrichtensendungen im Radio oder Fernsehen sind keine Kindersendungen. Sie sollten auch nicht auf dem Fernsehplan von Vorschulkindern stehen. Also setzen Sie Ihr Kleines nicht absichtlich vor die Nachrichten. Im Thema 1 "Fernsehregeln" finden Sie Informationen, wie Kinder fernsehen können.

Doch Kinder leben nicht in einer isolierten Welt. Wenn Berichte von Katastrophen und Terroranschlägen, von Krieg und Gewalt die Welt erschüttern, dann geht das auch an unseren Kindern nicht vorbei. Kinder werden immer wieder mal dazu kommen, wenn Erwachsene die Nachrichten hören oder Bilder schrecklicher Ereignisse über den Bildschirm laufen. Und gerade bei aufsehenerregenden Geschehnissen stellt man ja schnell - auch während des Tages im Beisein der Kinder - das Gerät an, um sich aktuell informieren zu lassen. Ein Kind spürt dann, dass etwas Besonderes passiert ist, und wird auch neugierig.

Schließen Sie es dann nicht zwanghaft aus. Gerade jetzt sind Sätze wie: "Sei still!" "Stör nicht!" "Merkst du denn nicht, dass ich das sehen will!" "Das ist nichts für dich, geh spielen" "Geh, mach die Tür zu!" völlig daneben. Gerade jetzt, wenn Erwachsene betroffen sind und Kinder das spüren, ist "Nähe" und Offenheit wichtig. Unsere Reaktion muss eher sein:

"Setz dich zu mir, da ist etwas Schreckliches geschehen. / Lass uns das mal anhören, danach erkläre ich es dir. / Das versteh ich selbst noch nicht; lass es uns erst ansehen, dann kann ich dir etwas dazu sagen. / Im Augenblick kann ich dir nicht helfen. Ich möchte das jetzt sehen; warte einen Augenblick oder komm auf meinen Schoß."

Darf ich dem Kind meine Gefühle offen zeigen?

Als ich hörte, dass Menschen von den Wellen ins Meer gerissen wurden, war mir zum Weinen. Doch darf das Kind solche Emotionen sehen oder sollte man schreckliche Ereignisse grundsätzlich "herunterspielen"?

Ihre Betroffenheit dürfen Sie durchaus zeigen. Die darf Ihr Kind sehen. Doch bedenken Sie, dass Kinder Informationen ganzheitlich aufnehmen. Nicht nur der reine Tatbestand, sondern die Stimmung, die in Worten, in der Gestik und Mimik ausgedrückt wird, nehmen Kinder sehr wohl wahr.

Besonders Ihre Reaktionen als Vater oder Mutter beeindrucken Ihr Kind, weil Sie ihm nahe stehen und es gefühlsmäßig mit Ihnen verbunden ist. Vermeiden Sie extreme Reaktionen, die Ihr Kind erschrecken und beängstigen. Entsetzte Aufschreie und hektische Gesten sind z.B. unangebracht. Sie brauchen Ihre Betroffenheit aber nicht verstecken. Sprechen Sie Ihre Gefühle aber aus:

"Das macht mich traurig. / Das erschrickt mich. / Da sieht man, wie hilflos wir Menschen oft sind."

Ich bin unsicher, wie ehrlich ich die Fragen meines Kindes beantworten soll.

Kinder hören die Nachrichten und sehen die Bilder. Wenn man ihnen das Fragen hoffentlich nicht abgewöhnt hat, so fragen sie z.B. besorgt: „Warum ist da alles kaputt", „Warum weint die Frau?“, „Warum sind die Menschen da tot?“, “Kann das auch bei uns passieren?".

Fürchten Sie sich nicht vor diesen Fragen. Informieren Sie Ihr Kind einfach und mit Ihren Worten. Erzählen Sie ihm von den Erdplatten, die sich untereinanderschieben, von der Flutwelle, die dadurch ausgelöst wird, von den schrecklichen Folgen. Sagen Sie ihm ehrlich Ihre Meinung, wenn es Sie fragt, ob das auch bei uns passieren kann.

Ich bin zornig - wie sage ich das dem Kind?

Ich ärgere mich maßlos über die Nachlässigkeit der Kraftwerksbetreiber in Japan und über den Umgang mit atomarer Energiegewinnung in Deutschland. Darf ich meinen Unmut auch meinem Kind gegenüber ausdrücken?

Sicherlich sollten Sie Ihre Meinung sagen; doch dabei müssen Sie besonders auf Sachlichkeit achten. Beschimpfen und verurteilen Sie nicht; denn dadurch entwickelt sich beim Kind ein Gegensatz von gut und böse: Wir sind die Guten, und auf der anderen Seite gibt es da die Bösen, die an allen unseren Sorgen schuld sind. Schwarz-Weiß-Malerei macht einem Kind Angst.

Zeigen Sie, dass es auch bei der Diskussion über Atomkraftwerke um den Austausch von Argumenten geht. Unterstellen Sie, dass gute Argumente sich durchsetzen werden. Unterstellen Sie nicht (welcher Seite auch immer) politische „Trickserei“ oder Hinterhältigkeit; das ist einem Kind nicht zu vermitteln.

"Wir Menschen brauchen Energie. Ohne Energie läuft kein Fernsehgerät, kein Auto, kein Kühlschrank. Der Bedarf nach Energie wächst ständig. Die Frage ist, wie schaffen wir diese Energie. Da gibt es unterschiedliche Wege ... Ich meine ..."

Mir scheint, dass negative Nachrichten sich häufen. Ich habe Befürchtungen, dass mein Kind dadurch seelisch beeinträchtigt wird.

Kinder brauchen emotionale Sicherheit. Sie leiden schnell unter Trennungsängsten. Wenn sie Zerstörungen sehen, Vernichtung, Tod und Kinder, die durch die Katastrophe von Eltern getrennt werden, schürt das durchaus die Ängste eines Kindes.

Da sollten Sie einen Gegenpol schaffen. Das ist nicht besonders schwierig. Seien Sie aufmerksam, wenn Ihr Kind Fragen hat. Widmen Sie sich mindestens einmal am Tag intensiv Ihrem Kind; spielen Sie mit Ihm, erzählen Sie ihm eine Geschichte, träumen Sie mit ihm, hören Sie seine Probleme an. Wenn Sie das sowieso tun, ist es gut; wenn da Defizite sind, beheben Sie diese jetzt. Im Thema 22 "Zeitinseln schaffen" finden Sie Beispiele für Gegenpole gegen Ängste.

Braucht mein Kind jetzt besonders viel Harmonie?

Wir streiten uns oft. Wir Eltern streiten uns mit den Kindern, und wir streiten in der Partnerschaft. Zur Zeit habe ich Bedenken, dass das zusätzlich die Trennungsängste unseres Kindes schürt. Ich bin da ziemlich verunsichert.

Streiten ist grundsätzlich gut! Schaffen Sie nun keine unnatürliche Harmonie. Doch das Kind muss erleben, dass ein Streit in einen fairen Austausch von Argumenten mündet. Schließlich, möglichst noch am selben Tag muss eine Versöhnung folgen. Das soll Ihr Kind sowieso grundsätzlich so erleben.

Wenn das nicht so ist, dann nutzen Sie nun die Gelegenheit, Ihre Streitkultur zu verbessern. Wenn das nicht möglich ist, so verschonen Sie Ihr Kind davor; das ist wichtiger als es vor bedrückenden Nachrichtensendungen zu schützen. Über alle Formen des Streites in der Familie finden Sie mehr in den Kapiteln 26 bis 29. Wenn Sie üben möchten, beginnen Sie bei Kapitel 26 "Elternstreit - Über Erziehung streiten".

Worauf sollte ich beim Vermitteln den negativen Nachrichten noch beachten?

Es gibt mitten in den bedrückenden Nachrichten auch positive Meldungen. Da wird z.B. ein Säugling unversehrt aus Trümmern geborgen. Man rettet eine Person, wenn man schon nicht mehr daran glaubt, Überlebende zu finden.

Im Vergleich zu den vielen Toten Menschen und dem Ausmaß der Zerstörung mögen solche kleinen Ereignisse unbedeutend sein. Doch tun Sie diese Nachrichten nicht einfach ab. Heben Sie sie hervor und zeigen Sie Ihrem Kind Ihre Freude über diese "Kleinen Wunder". Ihr Kind braucht solche Kleinigkeiten; und das tut auch Ihnen gut.

Schauen Sie auf die Menschen, die mitten im Leid positiven Einsatz zeigen.

Wenden Sie sich nach Meldungen und Bildern über Naturkatastrophen positiven Bildern zu. Betrachten Sie ein Bilderbuch oder schauen Sie einen Film mit den Schönheiten und positiven Wundern der Natur.

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