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Wie beeinträchtigen Katastrophenmeldungen unser Kind?

Wie verhalte ich mich in Krisenzeiten meinem Kind gegenüber

Sollten Kinder Nachrichtensendungen sehen?

Ähliches Kapitel: Terror-Krieg-Gewalt erklären

 

Wie beeinträchtigen Schreckensmeldungen und Krisen mein Kind?

Mir scheint, dass negative Nachrichten sich häufen. Ich habe Befürchtungen, dass mein Kind dadurch seelisch beeinträchtigt wird.

Kinder brauchen emotionale Sicherheit. Sie leiden schnell unter Trennungsängsten. Wenn sie verstörende Berichte über Angst, Zerstörungen, Vernichtung, Seuchen und Tod sehen, schürt das die Ängste eines Kindes. Auch wirkt sich die emotionale Situation der engen Kontaktpersonen auf das Kind aus.

Da sollten die erwachsenen Kontaktpersonen einen Gegenpol schaffen. Das ist nicht besonders schwierig. Seien Sie aufmerksam, wenn Ihr Kind Fragen hat. Widmen Sie sich mindestens einmal am Tag intensiv Ihrem Kind; spielen Sie mit Ihm, erzählen Sie ihm eine Geschichte, träumen Sie mit ihm, hören Sie seine Probleme an. Wenn Sie das sowieso tun, ist es gut; wenn da Defizite sind, beheben Sie diese jetzt. Im Kapitel "Zeitinseln schaffen" finden Sie Beispiele für Gegenpole gegen Ängste und Verunsicherung.

 

Braucht mein Kind in Krisenzeiten besonders viel Harmonie?

Wir streiten uns oft - wir mit den Kindern und wir streiten in der Partnerschaft. Zur Zeit habe ich Bedenken, dass das zusätzlich die Trennungsängste unseres Kindes schürt. Ich bin da ziemlich verunsichert.

Streiten ist grundsätzlich gut! Schaffen Sie nun keine unnatürliche Harmonie. Doch das Kind muss erleben, dass ein Streit in einen fairen Austausch von Argumenten mündet. Schließlich, möglichst noch am selben Tag muss eine Versöhnung folgen. Das soll Ihr Kind sowieso grundsätzlich so erleben.

Wenn das nicht so ist, dann nutzen Sie nun die Gelegenheit, Ihre Streitkultur zu verbessern. Wenn Ihnen das schwer fällt, so verschonen Sie Ihr Kind vor Streit in der Partnerschaft; das ist wichtiger als es vor bedrückenden Nachrichtensendungen zu schützen. Über alle Formen des Streites in der Familie finden Sie mehr in den Kapiteln 26 bis 29. Wenn Sie üben möchten, beginnen Sie bei Kapitel 26 "Elternstreit - Über Erziehung streiten".

 

In Krisenzeiten das Positive in den Blick nehmen!

Worauf sollte ich beim Vermitteln den negativen Nachrichten noch beachten?

Es gibt mitten in bedrückenden Nachrichten auch positive Meldungen. Da wird z.B. nach einem Erdbeben ein Säugling unversehrt aus Trümmern geborgen. Man rettet eine Person, wenn man schon nicht mehr daran glaubt, Überlebende zu finden. Menschen entwickeln starkes Gefühl der Zusammengehörigkeit und gegenseitigen Verantwortung.

Im Vergleich zu Schreckensmeldungen mit Toten und Bilder von Zerstörung mögen solche kleinen Ereignisse unbedeutend sein. Doch tun Sie diese Nachrichten nicht einfach ab. Heben Sie diese Lichtblicke hervor und zeigen Sie Ihrem Kind Ihre Freude über "Kleine Wunder" und Zeichen der Menschlichkeit und Solidarität. Ihr Kind braucht solche Kleinigkeiten; und das tut auch Ihnen gut.

Schauen Sie auf die Menschen, die mitten im Leid positiven Einsatz zeigen.

Wenden Sie sich nach Meldungen und Bildern über Krankheiten, Seuchen, Naturkatastrophen positiven Bildern zu. Betrachten Sie ein Bilderbuch oder schauen Sie einen Film mit den Schönheiten und positiven Wundern der Natur.

Darf ich dem Kind meine Gefühle, Ängste, Traurigkeit oder Wut, offen zeigen?

Wenn ich Schreckensmeldungen auf dem Bildschirm sehe, ist mir manchmal zum Weinen. Doch darf das Kind solche Emotionen sehen oder sollte man schreckliche Ereignisse grundsätzlich "herunterspielen"?

Ihre Betroffenheit dürfen Sie durchaus zeigen. Die darf Ihr Kind sehen. Doch bedenken Sie, dass Kinder Informationen ganzheitlich aufnehmen. Nicht nur der reine Tatbestand, sondern die Stimmung, die in Worten, in der Gestik und Mimik ausgedrückt wird, nehmen Kinder sehr wohl wahr.

Besonders Ihre Reaktionen als Vater oder Mutter beeindrucken Ihr Kind, weil Sie ihm nahe stehen und es gefühlsmäßig mit Ihnen verbunden ist. Vermeiden Sie extreme Reaktionen, die Ihr Kind erschrecken und beängstigen. Entsetzte Aufschreie und hektische Gesten sind z.B. unangebracht. Sie brauchen Ihre Betroffenheit aber nicht verstecken. Sprechen Sie Ihre Gefühle aber aus:

"Das macht mich traurig. / Das erschrickt mich. / Da sieht man, wie hilflos wir Menschen oft sind."

 

Ich bin unsicher, wie ehrlich ich die Fragen meines Kindes beantworten soll.

Kinder hören die Nachrichten und sehen die Bilder. Wenn man ihnen das Fragen hoffentlich nicht abgewöhnt hat, so fragen sie z.B. besorgt: „Warum ist da alles kaputt" (Wirbelsturm / Erdrutsch), „Warum weint die Frau?“, „Warum sind die Menschen da tot?“, “Kann das auch bei uns passieren?".

Fürchten Sie sich nicht vor diesen Fragen. Informieren Sie Ihr Kind einfach und mit Ihren Worten. Erzählen Sie ihm z.B. bei einem Erdbeben von den Erdplatten, die sich untereinanderschieben, bei einem Tsunami, wie die Flutwelle ausgelöst wird. Sagen Sie ihm ehrlich Ihre Meinung, wenn es Sie fragt, ob das auch bei uns passieren kann.

 

Ich bin zornig - wie sage ich das dem Kind?

Ich ärgere mich oft maßlos über Nachlässigkeit, Verantwortungslosigkeit, Egoismus, mangelndem Mitgefühl und Fehler im politischen Handeln. Darf ich meinen Unmut auch meinem Kind gegenüber ausdrücken?

Sicherlich sollten Sie Ihre Meinung sagen; doch dabei müssen Sie besonders auf Sachlichkeit achten. Beschimpfen und verurteilen Sie nicht; denn dadurch entwickelt sich beim Kind ein Gegensatz von gut und böse: Wir sind die Guten, und auf der anderen Seite gibt es da die Bösen, die an allen unseren Sorgen schuld sind. Schwarz-Weiß-Malerei macht einem Kind Angst.

Zeigen Sie, dass es auch bei der Diskussion über Gesundheitspolitik, Umweltpolitik, Flüchtlingspolitik um den Austausch von Argumenten geht. Vermitteln Sie das Vertrauen darauf, dass gute Argumente sich durchsetzen werden. Unterstellen Sie nicht (welcher Seite auch immer) politische „Trickserei“ oder Hinterhältigkeit; das ist einem Kind nicht zu vermitteln. Erklären sie aber auch Ihre Position

Thema Umweltpolitik: "Wir Menschen brauchen Energie. Ohne Energie läuft kein Fernsehgerät, kein Auto, kein Kühlschrank. Der Bedarf nach Energie wächst ständig. Die Frage ist, wie schaffen wir diese Energie. Da gibt es unterschiedliche Wege ... Ich meine ..."

 

Sollen die Kleinen überhaupt schon die Nachrichten hören bzw. sehen?

Die täglichen Nachrichtensendungen im Radio oder Fernsehen sind keine Kindersendungen. Sie sollten auch nicht auf dem Fernsehplan von Vorschulkindern stehen. Also setzen Sie Ihr Kleines nicht absichtlich vor die Nachrichten. Im Kapitel "Fernsehregeln" finden Sie Informationen, wie Kinder fernsehen können.

Doch Kinder leben nicht in einer isolierten Welt. Wenn Berichte von Katastrophen und Terroranschlägen, von Krieg und Gewalt die Welt erschüttern, dann geht das auch an unseren Kindern nicht vorbei. Kinder werden immer wieder mal dazu kommen, wenn Erwachsene die Nachrichten hören oder Bilder schrecklicher Ereignisse über den Bildschirm laufen. Und gerade bei aufsehenerregenden Geschehnissen stellt man ja schnell - auch während des Tages im Beisein der Kinder - das Gerät an, um sich aktuell informieren zu lassen. Ein Kind spürt dann, dass etwas Besonderes passiert ist, und wird auch neugierig.

Schließen Sie es dann nicht zwanghaft aus. Gerade jetzt sind Sätze wie: "Sei still!" "Stör nicht!" "Merkst du denn nicht, dass ich das sehen will!" "Das ist nichts für dich, geh spielen" "Geh, mach die Tür zu!" völlig daneben. Gerade jetzt, wenn Erwachsene betroffen sind und Kinder das spüren, ist "Nähe" und Offenheit wichtig. Unsere Reaktion muss eher sein:

"Setze dich zu mir, da ist etwas Schreckliches geschehen. / Lass uns das mal anhören (ansehen), danach erkläre ich es dir. / Das versteh ich selbst noch nicht; lass es uns erst ansehen, dann kann ich dir etwas dazu sagen. / Im Augenblick kann ich dir nicht helfen. Ich möchte das jetzt sehen; warte einen Augenblick oder komm auf meinen Schoß."

 

Spezielle Nachrichtensendungen für Kinder

Achtung: Diese speziellen Internetportale und Sendungen für Kinder helfen zwar, Ihr Kind zu informieren. Doch sie ersetzen nicht Ihre Nähe und das Gespräch mit Ihrem Kind - das muss an erster Stelle stehen!

 

Ähnliches Kapitel:

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